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Vorwort zur Volksausgabe
schwelgen heute nicht minder als die Großstaaten im Erfinden von
Mitteln, den Außenhandel zu erschweren.

Damit wird wieder ein Mittel geschaffen, der Herstellung der
Proportionalität der Produktionszweige auf dem Weltmarkt entgegen-
zuwirken und damit Krisenursachen zu erzeugen, bloß aus fehler-
hafter Politik.

Mancher meint, die Unternehmerverbände, Kartelle und Trusts,
die durch den Schutzzoll so sehr begünstigt werden, seien ein sou-
veränes Mittel, Krisen zu verhüten. Nichts weniger als das. Schon
der Augenschein bezeugt das Gegenteil. Nie waren die Unternehmer-
verbände umfassender und zahlreicher als seit dem Kriege. Die
Kriegswirtschaft selbst hat sie sehr gefördert, trotzdem folgt gerade
seitdem eine Krise der andern.

Die Unternehmerverbände sind wohl in der Lage, manchen
Krisen entgegenzuwirken: solchen, die allgemeiner Ueberproduktion
entspringen. Aber jeder dieser Verbände bezieht sich nur auf eine
einzelne Industrie, sucht nur sie allein zu organisieren, und nicht zum
Zwecke der Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft, sondern
der Erhöhung des Profits in dem betreffenden Produktionszweig.
Extraprofite über den Durchschnittsprofit hinaus vermag er aber nur
zu erzielen auf dem Wege der Durchbrechung der Proportionalität
der Produktion. Allerdings auf dem Wege nicht der Ueberproduktion,
sondern der Unterproduktion in seinem Produktionszweig, Er
schaltet die freie Konkurrenz aus, damit in seinem Produktionszweig
weniger produziert werde, als der Proportionalität entspricht, und er
dadurch höhere Preise und Profite als die normalen der freien Kon-
kurrenz erzielt. Ein Eisenkartell zum Beispiel „regelt“ die Produktion
durch eine Einschränkung der Eisenproduktion und eine weitgehende
Steigerung der Eisenpreise, die den Aufschwung der eisenverar-
beitenden Industrien hemmt und ihren Absatz erschwert.

Mit einem Wort, die durch die Schutzzölle geförderte Kartell-
wirtschaft ist nicht ein Mittel, dem Schutzzoll entspringender Hem-
mung der Proportionalität der Produktion entgegenzuwirken, sondern
vielmehr ein Mittel. deren krisenbildenden Wirkungen noch zu ver-
mehren.

Zu allen diesen Erschwerungen des Verkehrs der Waren
gesellen sich noch hochgradige Erschwerungen des Verkehrs der
Menschen. Neben freier Konkurrenz und freiem Handel ist auch die
Freizügigkeit der Arbeiter wichtig zur Herstellung der Propor-
tionalität der Produktion auf dem Weltmarkt und zur Milderung und
Ueberwindung der Krisen, die aus ihrer Verletzung entspringen.

Wo sozialistische Produktion nicht möglich ist, bieten freier
Verkehr und freier Handel — wenn allseitig durchgeführt — die
besten Bedingungen zur Entfaltung der Produktivkräfte wie der
Kräfte des Proletariats. Die Freizügigkeit des Arbeiters aber ist
notwendig nicht nur unter kapitalistischer, sondern auch. unter
sozialistischer Produktion. Auf ihr vor allem müssen wir bestehen.