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Vorwort zur Volksausgabe
alle wieder gutgemacht. . Aber die Proportionalität der Produktion,
die durch den Krieg durchbrochen worden, ist auch heute noch nicht
hergestellt. .

Am meisten leidet darunter das Proletariat. Und es zeigt sich
immer deutlicher, daß es heute nicht nur auf dem Gebiete der Pro-
Juktion, sondern auch auf dem der Zirkulation der Waren und der
Kapitalien die Sorge für das ökonomische Getriebe den Kapitalisten
nicht überlassen darf.

Wohl haben auf dem Gebiete der Zirkulation die Arbeiter viel-
fach die gleichen Interessen wie die Kapitalisten, insofern als beide
in gleichem Maße an dem ungestörten Ablauf des Zirkulations-
prozesses interessiert sind.

Aber schon vor dem Kriege hatten die aufkommenden Unter-
nehmerverbände versucht, für besondere Produktionszweige Extra-
profite durch Vergewaltigung der Gesetze der Zirkulation heraus-
zuschlagen. Der Weltkrieg hat das Bedürfnis und die Machtmittel
der Herren der großen kapitalistischen Monopole nach Vergewaltigung
der ökonomischen Gesetze des kapitalistischen Getriebes noch ge-
steigert.

Diese Gesetze werden nicht nur von Militaristen und Gewalt-
politikern, sondern auch von den großen Finanzmagnaten immer
mehr mit Füßen getreten, und der Widerstand innerhalb der Kapita-
listenklasse dagegen wird immer schwächer. ;

Es wird immer mehr Aufgabe des Proletariats, für die Beachtung
dieser Gesetze einzutreten, deren Verletzung die ganze Gesellschaft
aufs tiefste schädigt und nur einigen hervorragenden kapitalistischen
Machthabern und ihrem Anhang von Söldnern und Parasiten Gewinn
bringt.

So gerät das Proletariat immer mehr in die sonderbare Situation,
daß zu seinen Aufgaben nicht bloß die Ueberwindung der kapitali-
stischen Produktionsweise und ihre Ersetzung durch die sozialistische
gehört, sondern auch die Verteidigung der Gesetze dieser Produk-
tionsweise gegen ihre Vergewaltigung durch die Monopolisten des
Großkapitals, die verbündet sind mit Großagrariern, Generalen,
Bureaukraten, Professoren usw.

Um in dieser eigenartigen Situation seinen historischen Aufgaben
genügen zu können, muß das Proletariat, müssen vor allem seine
Wortführer sich mit dem kapitalistischen Zirkulationsprozeß ebenso
vertraut machen wie mit dem Produktionsprozeß. Nicht nur wegen
der sozialistischen Zukunft, der wir entgegengehen, sondern auch
wegen der kapitalistischen Gegenwart, in der wir drin stehen.

Das Studium des zweiten und dritten Bandes des „Kapital“
ist daher nicht mehr eine rein akademische Aufgabe, die nur reinem
Wissensdrang dient. Sie hat direkt praktische Bedeutung gewonnen.
Wäre die Politik der letzten Jahre in den maßgebenden Staaten von
der Erkenntnis der Gesetze des Kapitalismus geleitet gewesen, die
in den drei Bänden des „„Kapital‘‘ niedergelegt ist. wie viele Leiden