Vorwort zur ersten Auflage

beiden Teile wechsle, ein Gesetz, bei dem er nur einzelne Ausnahme-
fälle zugibt. Er stellt sogar einige Hauptgesetze über das wechsel-
seitige Verhältnis von Arbeitslohn und Mehrwert (in der Form von
Profit gefaßt), wenn auch in zu allgemeiner Fassung fest (Marx: „Das
Kapital‘, 1. Buch, Kapitel XV, A)1 und weist die Grundrente als
einen unter bestimmten Umständen abfallenden Ueberschuß über
den Profit nach. — In keinem dieser Punkte ist Rodbertus über
Ricardo hinausgegangen. Die inneren Widersprüche der Ricardoschen
Theorie, an denen seine Schule zugrunde ging, blieben ihm entweder
8anz unbekannt oder verleiteten ihn nur („Zur Erkenntnis‘ usw.,
S. 129—134) zu utopistischen Forderungen statt zu ökonomischen
Lösungen. ;

__ Die Ricardosche Lehre vom Wert und Mehrwert brauchte aber
Nicht auf Rodbertus’ „Zur Erkenntnis‘ usw. zu warten, um soziali-
Stisch ausgebeutet zu werden. Auf Seite 609 des ersten Bandes
„Kapital“ [2, Auflage, V. 8. 523] findet sich zitiert: „Die Besitzer
von überschüssigem Produkt [surplus produce] oder Kapital‘, aus
einer Schrift: „The Source and Remedy of the National Difficulties.
A Letter to Lord John Russell. London 1821.“ In dieser Schrift,
auf deren Bedeutung schon der eine Ausdruck: überschüssiges Produkt
öder Kapital hätte aufmerksam machen müssen, und die ein von Marx
aus seiner Verschollenheit gerissenes Pamphlet [Broschüre] von
40 Seiten ist, heißt es:

„Was auch dem Kapitalisten zukommen möge (vom Stand-
Punkt des Kapitalisten aus), er kann immer nur die Mehrarbeit
{Surplus labour) des Arbeiters aneignen, denn der Arbeiter muß
leben.“ (S. 23.) Wie aber der Arbeiter lebt, und wie groß daher
die vom Kapitalisten angeeignete Mehrarbeit sein kann, ist sehr
relativ. „Wenn das Kapital nicht an Wert abnimmt im Verhältnis,
wie es an Masse zunimmt, so wird der Kapitalist dem Arbeiter das
Produkt jeder Arbeitsstunde abpressen über das Minimum hinaus,
Wovon der Arbeiter leben kann..., der Kapitalist kann schließlich
dem Arbeiter sagen: du sollst kein Brot essen ...., denn man kann von
Runkelrüben und Kartoffeln leben; und dahin sind wir gekommen.‘
(S. 23, 24.) „Wenn der Arbeiter dahin gebracht werden kann, sich
von Kartoffeln zu nähren statt von Brot, so ist es unbestreitbar
richtig, daß mehr aus seiner Arbeit herausgeschlagen werden kann;
das heißt wenn, um von Brot zu leben, er genötigt war, für seine
Erhaltung und die seiner Familie die Arbeit des Montags und
Dienstags für sich zu behalten, so wird er bei Kartoffel-
Nahrung nur die Hälfte des Montags für sich erhalten; und die
andere Hälfte des Montags und der ganze Dienstag werden frei-
gesetzt entweder für den Nutzen des Staats oder für den Kapi-
balisten,“ (S. 26.) „Man bestreitet nicht (it is admitted), daß
die den Kapitalisten bezahlten Interessen, sei es in der Gestalt von

XLI

12 2, Auflage, S. 541, V. 8.458. K.