XLIV

Vorwort zur ersten Auflage
stone, Hodgskin etec., — im ersten Band des „Kapital“ mehrfach zitiert,
das mag noch hingehen. Aber daß nicht nur der sich an Rodbertus’
Rockschöße mit Verzweiflung anklammernde Literatus vulgaris [der
Schriftsteller, der seine Aufgabe in der Verflachung wissenschaft-
licher Erkenntnisse erblickt], „der wirklich auch nichts gelernt hat‘‘,
sondern auch der Professor in Amt und Würden, der „sich mit Ge-
lehrsamkeit brüsten tut‘, seine klassische Oekonomie bis zu dem
Grad. vergessen hat, daß er Marx ernsthaft vorwirft, er habe Rod-
bertus Dinge entwendet, die schon in A. Smith und Ricardo zu lesen
stehen — das beweist, wie tief die offizielle Oekonomie heute herun ter-
gekommen ist.

Was hat dann aber Marx über den Mehrwert Neues gesagt? Wie
kommt es, daß Marx’ Mehrwertstheorie wie ein Blitz aus heiterem
Himmel eingeschlagen hat, und das in allen zivilisierten Ländern,
während die Theorien aller seiner sozialistischen Vorgänger, Rodber-
tus eingeschlossen, wirkungslos verpufften ?

Die Geschichte der Chemie kann uns das an einem Beispiel zeigen.

Noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts herrschte bekannt-
lich die phlogistische Theorie, wonach das Wesen jeder Verbrennung
darin bestand, daß sich von dem verbrennenden Körper ein anderer
hypothetischer [vorausgesetzter] Körper trenne, ein absoluter Brenn-
stoff, der mit dem Namen Phlogiston bezeichnet wurde. Diese Theorie
reichte hin, die meisten damals bekannten chemischen Erscheinungen
zuerklären, wenn auch in manchen Fällen nicht ohne Anwendung von
Gewalt. Nun stellte 1774 Priestley eine Luftart dar, „die er so rein
oder so frei von Phlogiston fand, daß gewöhnliche Luft im Vergleich
damit schon verdorben erschien“. Er nannte sie: dephlogistisierte
Luft. Kurz nachher stellte Scheele in Schweden dieselbe Luftart
dar und wies deren Vorhandensein in der Atmosphäre nach. Er
fand auch, daß sie verschwindet, wenn man einen Körper in ihr oder
in gewöhnlicher Luft verbrennt, und nannte sie daher Feuerluft. „Aus
diesen Ergebnissen zog er nun den Schluß, daß die Verbindung, die
bei der Vereinigung von Phlogiston mit einem der Bestandteile der

Luft (also bei der Verbrennung) entstehe, nichts weiter als Feuer
oder Wärme sei, welche durch das Glas entweichen.‘ 1?

Priestley wie Scheele hatten den Sauerstoff dargestellt, wußten
aber nicht, was sie unter der Hand hatten. Sie „blieben befangen
in den‘“ phlogistischen „Kategorien, wie sie sie vorfanden‘. Das
Element, das die ganze phlogistische Anschauung umstoßen und die
Chemie revolutionieren sollte, war in ihrer Hand mit Unfruchtbarkeit
geschlagen. Aber Priestley hatte seine Entdeckung gleich darauf in
Paris Lavoisier mitgeteilt, und Lavoisier untersuchte nun an der
Hand dieser neuen Tatsache die ganze phlogistische Chemie, ent-
deckte erst, daß die neue Luftart ein neues chemisches Element war.
. 17 Roscoe- Schorlemmer: Ausführliches Lehrbuch der Chemie. Braun.
schweig 1877, I, p. 13, 18.