XLVI

Vorwort zur ersten Auflage
in Kapital und bewies, daß sie auf dem Kauf und Verkauf der Ar-
beitskraft beruhe. Indem er hier die Arbeitskraft, die wertschaffende
Eigenschaft, an die Stelle der Arbeit setzte, löste er mit einem Schlag
gine der Schwierigkeiten, an der die Ricardosche Schule zugrunde
gegangen war: die Unmöglichkeit, den gegenseitigen Austausch von
Kapital und Arbeit in Einklang zu bringen mit dem Ricardoschen
Gesetz der Wertbestimmung durch Arbeit. Indem er die Unter-
scheidung des Kapitals in konstantes und variables konstatierte
feststellte], kam er erst dahin, den Prozeß [Vorgang] der Mehrwert-
bildung in seinem wirklichen Hergang bis ins einzelnste darzustellen
und damit zu erklären — was keiner seiner Vorgänger fertig ge-
bracht; konstatierte er also einen Unterschied innerhalb des
Kapitals selbst, mit dem Rodbertus ebensowenig wie die bürger-
lichen Oekonomen imstande waren, das Geringste anzufangen, der
aber den Schlüssel zur Lösung der verwickeltsten ökonomischen
Probleme liefert, wovon hier wieder Buch II — und noch mehr,
wie sich zeigen wird, Buch III — der schlagendste Beweis.
Den Mehrwert selbst untersuchte er weiter, fand seine beiden
Formen: absoluter und relativer Mehrwert, und wies die verschiedene,
aber beidemal entscheidende Rolle nach, die sie in der geschicht-
lichen Entwicklung der kapitalistischen Produktion gespielt. Auf
Grundlage des Mehrwerts entwickelte er die erste rationelle [brauch-
bare] Theorie des Arbeitslohns, die wir haben, und gab zum ersten
Male die Grundzüge einer Geschichte der kapitalistischen Akkumula-
tion [Anhäufung von Kapital] und eine Darstellung ihrer geschicht-
lichen Tendenz.

Und Rodbertus? Nachdem er das alles gelesen, findet er darin
— wie immer Tendenzökonom! — einen „Einbruch in die Gesell-
schaft“, findet, daß er selbst bereits viel kürzer und klarer gesagt
hat, woraus der Mehrwert entsteht, und findet endlich, daß das alles
zwar auf die heutige „Kapitalform‘“ paßt, das heißt auf das Kapital,
wie es historisch besteht, nicht aber auf den „Kapitalbegriff‘‘, das
heißt die utopistische Vorstellung des Herrn Rodbertus vom Kapital.
Ganz der alte Priestley, der bis an sein Ende aufs Phlogiston
schwor und vom Sauerstoff nichts wissen wollte. Nur daß Priestley
den Sauerstoff wirklich zuerst dargestellt, während Rodbertus in
seinem Mehrwert oder vielmehr seiner „Rente‘ nur einen Gemein-
platz wieder entdeckt hatte, und daß Marx es verschmähte, im Gegen-
satz zu Lavoisiers Verfahren, zu behaupten, er sei der erste, der die
Tatsache der Existenz des Mehrwerts aufgedeckt.

Was Rodbertus sonst ökonomisch geleistet hat, steht auf dem-
selben Niveau [Höhe]. Seine Verarbeitung des Mehrwerts in eine Utopie
ist von Marx in der „Misöre de 1a Philosophie‘ schon unabsichtlich
mit kritisiert; was sonst noch darüber zu sagen, habe ich in der Vor-
rede zur deutschen Uebersetzung jener Schrift gesagt. Seine Erklä-
rung der Handelskrisen aus der Unterkonsumtion der Arbeiterklasse
findet sich bereits in Sismondis „Nouveaux Prineipes d’Eeconomie