Vorwort zur ersten Auflage

XLVII
Politique‘, Buch IV, Kapitel IV.!® Nur daß Sismondi dabei stets den
Weltmarkt vor Augen hatte, während Rodbertus’ Horizont nicht
über die preußische Grenze hinausgeht. Seine Spekulationen darüber,
ob der Arbeitslohn aus Kapital oder Einkommen stamme, gehören
der Scholastik an und erledigen sich endgültig durch den dritten
Abschnitt dieses zweiten Buches des „Kapital‘‘. Seine Rententheorie
ist sein ausschließliches Eigentum geblieben und kann fortschlum-
mern, bis das sie kritisierende Manuskript von Marx erscheint. End-
lich seine Vorschläge zur Emanzipation [Befreiung] des altpreußi-
schen Grundbesitzes vom Druck des Kapitals sind wieder durchaus
utopistisch; sie vermeiden nämlich die einzige praktische Frage, um
die es sich dabei handelt — die Frage: Wie kann der altpreußische
Landjunker jahraus, jahrein sage 20000 Mark einnehmen und sage
30 000 Mark ausgeben, und doch keine Schulden machen ?

Die Ricardosche Schule scheiterte gegen 1830 am Mehrwert. Was
sie nicht lösen konnte, blieb erst recht unlösbar für ihre Nachfolgerin,
die Vulgärökonomie. Die beiden Punkte, an denen sie zugrunde ging,
waren diese:

1. Die Arbeit ist das Maß des Wertes. Nun hat aber die lebendige
Arbeit im Austausch mit dem Kapital einen geringeren Wert als die
vergegenständlichte Arbeit, gegen die sie ausgetauscht wird. Der
Arbeitslohn, der Wert eines bestimmten Quantums lebendiger Arbeit,
ist stets geringer als der Wert des Produkts, das von diesem selben
Quantum lebendiger Arbeit erzeugt wird, oder worin dieses sich dar-
stellt. Die Frage ist in dieser Fassung in der Tat unlöslich. Sie ist
von Marx richtig gestellt und damit beantwortet worden. Es ist
nicht die Arbeit, die einen Wert hat. Als wertschaffende Tätigkeit
kann sie ebensowenig einen. besonderen Wert haben, wie die Schwere
ein besonderes Gewicht, die Wärme eine besondere Temperatur, die
Elektrizität eine besondere Stromstärke. Es ist nicht die Arbeit,
die als Ware gekauft und verkauft wird, sondern die Arbeitskraft.
Sobald sie Ware wird, richtet sich ihr Wert nach der in ihr als eitem
gesellschaftlichen Produkt verkörperten Arbeit, ist er gleich der zu
ihrer Produktion und Reproduktion [Wiedererzeugung] gesellschaft-
lich nötigen Arbeit. Der Kauf und Verkauf der Arbeitskraft auf
Grund dieses ihres Wertes widerspricht also keineswegs dem
ökonomischen Wertgesetz.
18 „Durch die Konzentration der Reichtümer in den Händen einer kleinen
Zahl von Besitzern verengt sich der innere Markt immer mehr, und die In-
dustrie sieht sich immer mehr dazu genötigt ihre Absatzgebiete auf den
fremden Märkten zu suchen, wo sie von den stärksten Umwälzungen bedroht
werden. (Nämlich die Krise von 1817, die gleich darauf beschrieben wird.)
(Ainsi done, par la concentration des fortunes entre un petit nombre de
proprietaires, le marche interieur se resserre toujours plus, et l’industrie est
toujours plus reduite a chercher ses debouches dans les marches 6trangers,
oü de plus grandes r6volutions les menacent. [Engels schreibt statt
„menacent‘‘ „attendent‘‘. K.] „Nouveaux Principes‘‘, ed. 1819, I, p. 336.