Erstes Kapitel

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Der Tatbestand, der hier also dem Akt G— W{A, zugrunde
liegt, ist die Verteilung; nicht die Verteilung im gewöhnlichen Sinn
als Verteilung der Konsumtionsmittel, sondern die Verteilung der
Elemente der Produktion selbst, von denen die gegenständlichen
Faktoren auf der einen Seite konzentriert [vereinigt] sind, die Arbeits-
kraft davon isoliert [gesondert] auf der andern.

Die Produktionsmittel, der gegenständliche Teil des produktiven
Kapitals, müssen also dem Arbeiter schon als solche, als Kapital
gegenüberstehen, bevor der Akt G — A ein allgemein gesellschaft-
licher Akt werden kann.

Wir haben früher gesehen, daß die kapitalistische Produktion,
einmal etabliert [begründet], in ihrer Entwicklung nicht nur diese
Trennung reproduziert, sondern sie auf stets größeren Umfang er-
weitert, bis sie der allgemein herrschende gesellschaftliche Zustand
geworden. Die Sache bietet aber noch eine andere Seite dar. Damit
das Kapital sich bilden und sich der Produktion bemächtigen kann,
ist eine gewisse Entwicklungsstufe des Handels vorausgesetzt, also
auch der Warenzirkulation und damit der Warenproduktion; denn
es können nicht Artikel als Waren in die Zirkulation eingehen, sofern
sie‘ nicht für den Verkauf, also als Waren, produziert werden. Als
normaler, herrschender Charakter der Produktion erscheint die
Warenproduktion aber erst auf Grundlage der kapitalistischen
Produktion.

Die russischen Grundeigentümer, die infolge der sogenannten
Bauernemanzipation [Bauernbefreiung] ihre Landwirtschaft jetzt mit
Lohnarbeitern statt mit leibeigenen Zwangsarbeitern betreiben,
klagen über zweierlei: Erstens über Mangel an Geldkapital. So heißt
es zum Beispiel: Bevor man die Ernte verkauft, habe man Lohn-
arbeitern. in größerem Umfang zu zahlen, und da fehle es an der
ersten Bedingung, an Barem. Kapital in der Form von Geld muß
gerade zur Zahlung des Arbeitslohnes beständig vorhanden sein, um
die Produktion kapitalistisch zu betreiben. Doch darüber mögen
sich die Grundbesitzer trösten. Mit der Zeit pflückt man Rosen und
verfügt der industrielle Kapitalist nicht nur über sein eigenes Geld,
sondern auch über l’argent des autres [das Geld der andern].

Charakteristischer aber ist die zweite Klage, nämlich: daß, wenn
man auch Geld habe, man nicht in hinreichendem Umfang und zu
beliebiger Zeit die zu kaufenden Arbeitskräfte disponibel [verfügbar]
finde, indem der russische Landarbeiter infolge des Gemeineigentums
der Dorfgemeinde an Grund und Boden noch nicht völlig von seinen
Produktionsmitteln getrennt, daher noch kein „freier Lohnarbeiter‘“
im vollen Sinne des Wortes ist. Aber das Vorhandensein des letzteren
auf gesellschaftlicher Stufenleiter ist unerläßliche Bedingung, damit
G — W, Verwandlung von Geld in Ware, als Verwandlung von Geld.
kapital in produktives Kapital, darstellbar sei.

Es versteht sich daher von selbst, daß die Formel für den Kreis-
lauf des Geldkapitals: G — W...P...W’— G’ selbstverständliche