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Erster Abschnitt
— 6 (G + g). Das Kapital erscheint hier als ein Wert, der eine
Reihenfolge zusammenhängender, durch einander bedingter Ver-
wandlungen durchläuft, eine Reihe von Metamorphosen, die eben-
so viele Phasen oder Stadien eines Gesamtprozesses bilden. Zwei
dieser Phasen gehören der Zirkulationssphäre an, eine der Produk-
tionssphäre. In jeder dieser Phasen befindet sich der Kapitalwert
in verschiedener Gestalt, der eine verschiedene, spezielle Funktion
entspricht. Innerhalb dieser Bewegung erhält sich nicht nur der
vorgeschossene Wert, sondern er wächst, vermehrt seine Größe.
Endlich, im Schlußstadium, kehrt er zur selben Form zurück, worin
er beim Ausgang des Gesamtprozesses erschien. Dieser Gesamt-
prozeß ist daher Kreislaufprozeß.

Die beiden Formen, die. der Kapitalwert innerhalb seiner
Zirkulationsstadien annimmt, sind die von Geldkapital und
Warenkapital; seine dem Produktionsstadium angehörige Form
ist die von produktivem Kapital. Das Kapital, das im Verlauf
seines Gesamtkreislaufs diese Formen annimmt und wieder abstreift
und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist indu-
strielles Kapital — industriell hier in dem Sinn, daß es jeden
kapitalistisch betriebenen Produktionszweig umfaßt.

Geldkapital, Warenkapital, produktives Kapital bezeichnen
hier also nicht selbständige Kapitalsorten, deren Funktionen
den Inhalt gleichfalls selbständiger und voneinander getrennter
Geschäftszweige bilden. Sie bezeichnen hier nur besondere Funk-
tionsformen des industriellen Kapitals, das sie alle drei nachein-
ander annimmt.

Der Kreislauf des Kapitals geht nur normal vonstatten, so-
lange seine verschiedenen Phasen ohne Stockung ineinander über-
gehen. Stockt das Kapital in der ersten Phase G — W, so erstarrt
das Geldkapital zum Schatz; wenn in der Produktionsphase, so
liegen die Produktionsmittel funktionslos auf der einen Seite, während
die Arbeitskraft auf der andern unbeschäftigt bleibt; wenn in der
letzten Phase W’— G’, so versperren unverkäuflich anfgehäufte
Waren den Zirkulationsfluß.

Anderseits liegt es in der Natur der Sache, daß der Kreislauf
selbst die Fixierung [Festlegung] des Kapitals während bestimmter
Fristen in den einzelnen Kreisabschnitten bedingt. In jeder seiner
Phasen ist das industrielle Kapital an eine bestimmte Form gebunden,
als Geldkapital, produktives Kapital, Warenkapital. Nur nachdem
es die seiner jedesmaligen Form entsprechende Funktion vollzogen
hat, erhält es die Form, worin es eine neue Verwandlungsphase ein-
gehen kann. Um dies klarzulegen, haben wir in unserm Beispiel
angenommen, daß der Kapitalwert der im Produktionsstadium er-
zeugten Warenmasse gleich sei der Gesamtsumme des ursprünglich
als Geld vorgeschossenen Wertes, mit andern Worten, daß der ganze
als Geld vorgeschossene Kapitalwert auf einmal aus dem einen Sta-
dium in das jedesmal nächstfolgende tritt. Wir haben aber gesehen