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Erster Abschnitt
fremder Konsumtion. Wir finden daher bei Dolmetschern des Mer-:
kantilsystems (dem die Formel G — W...P...W-— zugrunde
liegt) sehr weitläufige Predigten darüber, daß der einzelne Kapitalist
nur als Arbeiter konsumieren muß, wie die Kapitalistennation den
andern dümmeren Nationen das Verzehren ihrer Waren und über-
haupt den Konsumtionsprozeß überlassen, dagegen die produktive
Konsumtion zu ihrer Lebensaufgabe machen muß. Diese Predigten
erinnern oft der Form und dem Inhalt nach an analoge asketische
Ermahnungen [ähnliche Ermahnungen zur Fleischabtötung] der
Kirchenväter.

Der Kreislaufprozeß des Kapitals ist also Einheit von Zirku-
lation und Produktion, schließt beide ein. Sofern die beiden Phasen
G—W, W’— G’ Zirkulationsvorgänge, bildet die Zirkulation des
Kapitals Teil der allgemeinen Warenzirkulation. Aber als funktionell
bestimmte Abschnitte, Stadien im Kreislauf des Kapitals, der nicht;
nur der Zirkulationssphäre, sondern auch der Produktionssphäre
angehört, vollzieht das Kapital innerhalb der allgemeinen Waren-
zirkulation seinen eigenen Kreislauf. Die allgemeine Warenzirkulation
dient ihm im ersten Stadium dazu, die Gestalt anzunehmen, worin es
als produktives Kapital fungieren kann; im zweiten, die Waren-
{unktion ** abzustoßen, worin es seinen Kreislauf nicht erneuern kann;
und zugleich ihm die Möglichkeit zu eröffnen, seinen eigenen Kapital-
greislauf zu trennen von der Zirkulation des ihm angewachsenen
Mehrwerts.

Der Kreislauf des Geldkapitals ist daher die einseitigste, darum
schlagendste und charakteristischste Erscheinungsform des Kreis-
‘aufs des industriellen Kapitals, dessen Ziel und treibendes Motiv:
Verwertung des Wertes, Geldmachen und Akkumulation, in die Augen
springend dargestellt wird (kaufen, um teurer zu verkaufen). Dadurch,
daß die erste Phase G — W ist, tritt auch hervor die Herkunft der
Bestandteile des produktiven Kapitals aus dem Warenmarkt, wie
überhaupt die Bedingtheit des kapitalistischen Produktionsprozesses
durch die Zirkulation, den Handel. Der Kreislauf des Geldkapitals
ist nicht nur Warenproduktion; er kommt selbst nur durch die
Zirkulation zustande, er setzt sie voraus. Es liegt dies schon darin,
daß die der Zirkulation angehörige Form G als erste und reine Form
des vorgeschossenen Kapitalswerts erscheint, was in den beiden
andern Kreislaufformen nicht der Fall.

Der Kreislauf des Geldkapitals bleibt insofern stets der allge-
meine Ausdruck des industriellen Kapitals, als er stets Verwertung

des vorgeschossenen Wertes einschließt. In P...P tritt der Geld-
ausdruck des Kapitals nur als Preis der Produktionselemente hervor.

5% In der 1. Auflage stand „‚Warenform“. In der 2. Auflage wurde das
yeändert in „Warenfunktion“. K.