Zweites Kapitel

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2. Findet diese Spaltung statt, indem g als Revenue [Ein-
kommen]%° des Kapitalisten verausgabt wird, während G als funk-
tionelle Form des Kapitalwerts seine durch den Kreislauf bestimmte
Bahn fortsetzt — so ist der erste Akt W’— G’ im Zusammenhang
mit den nachfolgenden Akten G — W und g — w darstellbar als
die zwei verschiedenen Zirkulationen: V — G—W und w— gg — WW;
beides, der allgemeinen Form nach, der gewöhnlichen Warenzirkula-
tion angehörige Reihen.

Uebrigens werden in der Praxis bei kontinuierlichen Warenkör-
pern, die sich nicht teilen lassen, die Wertbestandteile ideell für sich
isoliert. Zum Beispiel im Londoner Baugeschäft, das größtenteils
auf Kredit betrieben wird, erhält der Bauunternehmer Vorschüsse,
je nachdem der Bau des Hauses sich in verschiedenen Stadien be-
findet. Keines dieser Stadien ist ein Haus, sondern nur ein wirklich
Sxistierender Bestandteil eines werdenden künftigen Hauses; also
trotz seiner Wirklichkeit nur ideeller Bruchteil des ganzen Hauses,
aber dennoch wirklich genug, um als Sicherheit für zusätzlichen Vor-
schuß zu dienen. (Siehe hierüber unten Kapitel XII.)

3. Trennt sich die in, W und GG noch gemeinschaftliche
Bewegung von Kapitalwert und Mehrwert nur teilweise (so daß ein
Teil des Mehrwerts nicht als Revenue verausgabt wird) oder gar nicht,
80 geht im Kapitalwert selbst eine Veränderung vor noch innerhalb
seines Kreislaufs, vor Vollendung desselben. In unserm Beispiel
war der Wert des produktiven Kapitals gleich 422 Pfd, Sterl. Setzt
88 also G — W fort, zum Beispiel als 480 Pfd. Sterl. oder 500 Pfd.
Sterl., so durchmißt es die letzteren Stadien des Kreislaufs als ein
um 58 Pfd. Sterl. oder 78 Pfd, Sterl. größerer Wert denn der an-
fängliche war. Es kann dies zugleich verbunden sein mit Aende-
rung seiner Wertzusammensetzung.

W’ -— G’, das zweite Stadium der Zirkulation und das abschlies-
sende Stadium des Kreislaufs I (G...G’), ist in unserm Kreislauf
zweites Stadium desselben und erstes der Warenzirkulation. Soweit
die Zirkulation in Betracht kommt, muß es also ergänzt werden durch
G’— W’. Aber W’ — G’ hat nicht nur den Verwertungsprozeß (hier
die Funktion von P, das erste Stadium) bereits hinter sich, sondern
sein Resultat, das Warenprodukt W”, ist bereits realisiert. Der Ver-
Wertungsprozeß des Kapitals sowie die Realisierung des Warenpro-
dukts, worin sich der verwertete Kapitalwert darstellt, ist also be-
endet mit W’— GG.

Wir haben also einfache Reproduktion vorausgesetzt, das heißt,
daß g— w sich ganz trennt von G -— W. Da beide Zirkulationen,

%c Vergleiche über den Gebrauch des Wortes Revenue bei Marx
Buch I, Kapitel XXII, 3, 2. Aufl. S. 612-13, V. S. 526. Die Bezeichnung
Rt der englischen Oekonomie entnommen. Die Franzosen schreiben Revenu.
Doch sprechen wir das Wort, für das wir die englische Schreibart anwen-
den, meist französisch aus: Rövnü, nicht englisch: Revenjuh. K.