Erster Abschnitt
Die Darstellung von G” als Verhältnis von g zu G, als Kapital-
verhältnis, ist unmittelbar keine Funktion des Geldkapitals, sondern
des Warenkapitals W’, welches selbst wieder als Verhältnis von w und W
nur das Resultat des Produktionsprozesses ausdrückt, der darin vor-
gegangenen Selbstverwertung des Kapitalwerts.‘

Stößt der Fortgang des Zirkulationsprozesses auf Hindernisse,
so daß G durch äußere Umstände, Lage des Marktes ete., seine
Funktion G — W suspendieren [unterbrechen] muß und deswegen in
seinem Geldzustand kürzer oder länger verharrt, so ist das wieder ein
Schatzzustand des Geldes, der auch in der einfachen Warenzirkula-
tion vorkommt, sobald der Uebergang von W — G in G — W durch
äußere Umstände unterbrochen wird. Es ist unfreiwillige Schatz-
bildung. In unserm Fall hat das Geld so die Form von brachliegen-
dem, latentem [nur der Möglichkeit nach als wirksames Kapital vor-
handenem] Geldkapital®:. Doch gehen wir zunächst nicht weiter
darauf ein.

In beiden Fällen aber erscheint das Verharren des Geldkapitals
in seinem Geldzustand als Resultat unterbrochener Bewegung, sei
diese nun zweckgemäß oder zweckwidrig, freiwillig oder unfreiwillig,
{unktionsgemäß oder funktionswidrig.
N. Akkumulation und Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter.

Da die Proportionen [Verhältnisse], worin der Produktionsprozeß
erweiterbar, nicht willkürlich, sondern technisch vorgeschrieben sind,
so kann der realisierte Mehrwert, obgleich zur Kapitalisierung be-
stimmt, oft erst durch die Wiederholung verschiedener Kreisläufe zu
dem Umfang heranwachsen (muß also bis dahin aufgehäuft werden),
worin er wirklich als zuschüssiges Kapital fungieren oder in den
Kreislauf des prozessierenden Kapitalwerts eingehen kann. Der
Mehrwert erstarrt also zum Schatz und bildet in dieser Form latentes
Geldkapital. Latent, weil es, solange es in der Geldiorm verharrt,
nicht als Kapital wirken kann. So erscheint hier die Schatzbildung
als ein innerhalb des kapitalistischen Akkumulationsprozesses ein-
begriffenes, ihn begleitendes, aber zugleich wesentlich von ihm unter-
schiedenes Moment. Denn durch die Bildung von latentem Geld-
kapital wird der Reproduktionsprozeß selbst nicht erweitert. Um-
gekehrt. Latentes Geldkapital wird hier gebildet, weil der kapitalisti-
sche Produzent die Stufenleiter seiner Produktion nicht unmittelbar
erweitern kann. Verkauft er sein Mehrprodukt an einen Gold- oder
Silberproduzenten, der neues Gold oder Silber in die Zirkulation
hinein wirft, oder, was auf dasselbe hinauskommt, an einen Kaufmann.
$ Der Ausdruck „latent“ ist der physikalischen Vorstellung von latenter
Wärme entlehnt, die jetzt durch die Theorie von der Verwandlung der
Energie ziemlich beseitigt ist. Daher gebraucht Marx im dritten Abschnitt
(Spätere Redaktion) dafür den der Vorstellung von potentieller Energie
entlehnten Ausdruck: „potentielles“ oder nach Analogie der virtuellen
Geschwindigkeiten d’Alemberts: „virtuelles Kapital“. F.E.