Zweites Kapitel

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der für einen Teil des nationalen Mehrprodukts zuschüssiges Gold
oder Silber vom Ausland importiert [einführt], so bildet sein latentes
Geldkapital ein Inkrement des nationalen Gold- oder Silberschatzes.
In allen andern Fällen haben zum Beispiel die 78 Pfd. Sterl., die in
der Hand des Käufers Zirkulationsmittel waren, in der Hand des
Kapitalisten nur die Schatzform angenommen; es hat also nur andere
Verteilung des nationalen Gold- oder Silberschatzes stattgefunden.
Fungiert das Geld in den Transaktionen unseres Kapitalisten als
Zahlungsmittel (in der Art, daß die Ware erst in kürzerem oder län-
Serem Termin vom Käufer zu zahlen), so verwandelt sich das zur
Kapitalisation bestimmte Mehrprodukt nicht in Geld, sondern in
Schuldforderungen, Eigentumstitel auf ein Aequivalent, das der
Käufer vielleicht schon im Besitz, vielleicht erst in Aussicht hat. Es
geht nicht in den Reproduktionsprozeß des Kreislaufs ein, so wenig
wie Geld, das in zinstragenden Papieren etc. angelegt, obgleich es in
den Kreislauf anderer industriellen Einzelkapitale eingehen kann.
Der ganze Charakter der kapitalistischen Produktion ist be-
Stimmt durch die Verwertung des vorgeschossenen Kapitalwerts,
also in erster Instanz [Linie] durch Produktion von möglichst viel
Mehrwert; zweitens aber (siehe Buch I, Kapitel XXII) durch Pro-
duktion von Kapital, also durch Verwandlung von Mehrwert in
Kapital. Die Akkumulation oder Produktion auf erweiterter Stufen-
leiter, die als Mittel zu stets ausgedehnterer Produktion von Mehr-
Wert, daher Bereicherung des Kapitalisten, als persönlicher Zweck des
letzteren erscheint und: eingeschlossen ist in die allgemeine Tendenz
([Bewegungsrichtung] der, kapitalistischen Produktion, wird aber
weiter, wie im ersten Buch gezeigt, durch ihre Entwicklung eine Not-
wendigkeit für jeden individuellen Kapitalisten. Die stete Vergröße-
rung seines Kapitals wird Bedingung der Erhaltung desselben. Doch
haben wir nicht weiter auf das früher Entwickelte zurückzukommen.
Wir betrachteten zuerst die einfache Reproduktion, wobei unter-
Stellt wurde, daß der ganze Mehrwert als Revenue verausgabt wird.
In der Wirklichkeit muß unter normalen Verhältnissen immer ein
Teil des Mehrwerts als ‚Revenue verausgabt und ein anderer Teil
kapitalisiert werden, wobei es ganz gleichgültig, ob innerhalb be-
Stimmter Perioden produzierter Mehrwert bald ganz verzehrt, bald
Sanz kapitalisiert wird. Im Durchschnitt der Bewegung — und die
allgemeine Formel kann nur diesen darstellen — findet beides statt.
Um die Formel nicht zu komplizieren [verwickelt zu gestalten], ist es
indes besser anzunehmen, daß der ganze Mehrwert akkumuliert wird.
Die Formel P...W’'— G’— W'{m...P' drückt aus: produktives
Kapital, das auf größerer Stufenleiter und mit größerem Wert re-
Produziert wird und als angewachsenes produktives Kapital seinen
Zweiten Kreislauf beginnt oder, was dasselbe, seinen ersten Kreislauf
Srneuert. Sobald dieser zweite Kreislauf beginnt, haben wir wieder P
als Ausgangspunkt; bloß ist P ein größeres produktives Kapital, als
das erste P war. So, wenn in der Formel G. . .G’ der zweite Kreislanf