Viertes Kapitel

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In der Tat ist die kapitalistische Produktion die Warenproduk-
tion als allgemeine Form der Produktion, aber sie ist es nur und wird
es stets mehr in ihrer Entwicklung, weil die Arbeit hier selbst als
Ware erscheint, weil der Arbeiter die Arbeit, das heißt die Funktion
seiner Arbeitskraft, verkauft, und zwar, wie wir annehmen, zu ihrem
durch ihre Reproduktionskosten bestimmten Wert. Im Umfang, wie
die Arbeit Lohnarbeit wird, wird der Produzent industrieller Kapita-
list; daher die kapitalistische Produktion (also auch die Warenpro-
duktion) erst in ihrem ganzen Umfang erscheint, wenn auch der un-
mittelbare ländliche Produzent Lohnarbeiter ist. In dem Verhältnis
zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter wird das Geldverhältnis, das
Verhältnis von Käufer und Verkäufer, ein der Produktion selbst
immanentes [notwendigerweise innewohnendes] Verhältnis. Dies Ver-
hältnis aber beruht der Grundlage nach auf dem gesellschaftlichen
Charakter der Produktion, nicht der Verkehrsweise; dieser entspringt
umgekehrt aus jenem. Es entspricht übrigens dem bürgerlichen Ho-
rizont [Gesichtskreis], wo das Geschäftcehenmachen den ganzen
Kopf einnimmt, nicht im Charakter der Produktionsweise die
Grundlage der ihr entsprechenden Verkehrsweise zu sehen, sondern
umgekehrt. ?
Decken von Nachfrage und Zufuhr.

Der Kapitalist wirft weniger Wert in der Form von Geld in die
Zirkulation hinein, als er aus ihr herauszieht, weil er mehr Wert in
der Form von Ware hineinwirft, als er ihr in Form von Ware ent-
zogen hat. Soweit er bloß als Personifikation des Kapitals fungiert
[soweit in ihm bloß das Kapital die Gestalt einer Person annimmt], als
industrieller Kapitalist, ist seine Zufuhr von Warenwert stets größer
als seine Nachfrage nach Warenwert. Deckung seiner Zufuhr und
seiner Nachfrage in dieser Beziehung wäre gleich Nichtverwertung
seines Kapitals; es hätte nicht als produktives Kapital fungiert; das
produktive Kapital hätte sich in Warenkapital verwandelt, das nicht
mit Mehrwert geschwängert; es hätte während des Produktionspro-
zesses keinen Mehrwert in Warenform aus der Arbeitskraft gezogen,
also überhaupt nicht als Kapital fungiert; er muß in der Tat „teurer
verkaufen, als er gekauft hat“, aber dies gelingt ihm eben nur, weil
er vermittels des kapitalistischen Produktionsprozesses die wohl-
feilere, weil minderwertige Ware, die er gekauft hat, in eine mehr-
wertige, also teurere, verwandelt hat. Er verkauft teurer, nicht weil
er seine Ware über ihrem Wert verkauft, sondern weil er eine Ware ver-
kauft, deren Wert höher ist als die Wertsumme ihrer Produktions-
ingredienzien [Produktionsbestandteile].

Die Rate [das Verhältnis, die Höhe], worin der Kapitalist sein
Kapital verwertet, ist um so größer, je größer die Differenz zwischen

? Bis hierher Manuskript V. — Das Folgende bis Schluß des Kapitels
ist eine in einem Heft von 1877 oder 1878 unter Bücher-Auszügen sich
befindende Note. F.E.