Fünftes Kapitel

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lich zweckgemäß als Produktionsmittel verzehrt. Hieran wird nichts
geändert, ob die Arbeit zur Hervorbringung dieses Effekts kon-
tinuierlich vermittels der Arbeitsmittel auf den Arbeitsgegenstand
wirken muß, oder ob sie nur den Anstoß zu geben braucht, indem sie
die Produktionsmittel unter Bedingungen stellt, wodurch ohne wei-
tere Mittat der Arbeit die Produktionsmittel von selbst, infolge von
Naturprozessen, die beabsichtigte Veränderung erleiden.

Welches immer der Grund des Ueberschusses der Produktionszeit
über die Arbeitszeit —— sei es, daß Produktionsmittel nur latentes
produktives Kapital bilden, also sich noch in einer Vorstufe zum
wirklichen Produktionsprozeß befinden, oder daß innerhalb des
Produktionsprozesses durch dessen Pausen ihre eigene Funktion
unterbrochen wird, oder daß endlich der Produktionsprozeß selbst
Unterbrechungen des Arbeitsprozesse bedingt — in keinem dieser
Fälle fungieren die Produktionsmittel als _Arbeitseinsauger. Saugen
sie keine Arbeit ein, so auch keine Mehrarbeit. Es findet daher keine
Verwertung des produktiven Kapitals statt, solange es sich in dem
Teil seiner Produktionszeit befindet, der überschüssig über die Arbeits-
zeit ist, so unzertrennlich auch die Vollführung des Verwertungs-
prozesses von diesen seinen Pausen sein mag. Es ist klar, daß je mehr
Produktionszeit und Arbeitszeit sich decken, um so größer die Produk-
tivität und Verwertung eines gegebenen produktiven Kapitals in
gegebenem Zeitraum. Daher die Tendenz der kapitalistischen Pro-
duktion, den Ueberschuß der Produktionszeit über die Arbeitszeit
möglichst zu verkürzen. Obgleich aber die Produktionszeit des
Kapitals von seiner Arbeitszeit abweichen mag, so umschließt sie stets
dieselbe und ist der Ueberschuß selbst Bedingung des Produktions-
prozesses. Die Produktionszeit ist also stets die Zeit, während deren
das Kapital Gebrauchswerte produziert und sich selbst verwertet,
daher als produktives Kapital fungiert, obgleich sie Zeit einschließt,
worin es entweder latent ist oder auch produziert, ohne sich zu ver-
werten.

Innerhalb der Zirkulationssphäre haust das Kapital als Waren-
kapital und Geldkapital. Seine beiden Zirkulationsprozesse bestehen
darin, sich aus der Warenform in Geldform und aus Geldform in
Warenform zu verwandeln. Der Umstand, daß die Verwandlung der
Ware in Geld hier zugleich Realisation des der Ware einverleibten
Mehrwerts, und daß die Verwandlung des Geldes in Ware zugleich
Verwandlung oder Rückverwandlung des Kapitalwerts in die Gestalt
seiner Produktionselemente ist, ändert durchaus nichts daran, daß
diese Prozesse als Zirkulationsprozesse Prozesse der einfachen Waren-
Mmetamorphose sind. ;

Umlaufszeit und Produktionszeit schließen sich wechselseitig
aus. Während seiner Umlaufszeit fungiert das Kapital nicht als
produktives Kapital und produziert daher weder Ware noch Mehr-
wert. Betrachten wir den Kreislauf in der einfachsten Form, so daß
der gesamte Kapitalwert jedesmal auf einen Schlag aus der einen