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Erster Abschnitt
Phase in die andere tritt, so ist handgreiflich, daß der Produktions-
prozeß unterbrochen ist, also auch die Selbstverwertung des Kapitals,
solange seine Umlaufszeit dauert, und daß je nach deren Länge die
Erneuerung des Produktionsprozesses rascher oder träger sein wird.
Durchlaufen dagegen die verschiedenen Teile des Kapitals den Kreis-
lauf nacheinander, so daß der Kreislauf des gesamten Kapitalwerts
sich sukzessive im Kreislauf seiner verschiedenen Portionen vollzieht,
so ist klar, daß, je länger der beständige Aufenthalt seiner aliquoten
Teile in der Zirkulationssphäre, um so kleiner sein beständig in der
Produktionssphäre fungierender Teil sein muß.?®* Die Expansion [Aus-
dehnung] und Kontraktion [Zusammenziehung] der Umlaufszeit
wirkt daher als negative Schranke auf die Kontraktion oder Expan-
sion der Produktionszeit oder des Umfangs, worin ein Kapital von
gegebener Größe als produktives Kapital fungiert. Je mehr die Zir-
kulationsmetamorphosen des Kapitals nur ideell sind, das heißt je
mehr die Umlaufszeit gleich Null wird oder sich Null nähert, um
so mehr fungiert das Kapital, um so größer wird seine Produk-
tivität und Selbstverwertung. Arbeitet ein Kapitalist zum Beispiel
auf Bestellung, so daß er bei Lieferung des Produkts Zahlung er-
hält, und erfolgt die Zahlung in seinen eigenen Produktionsmitteln,
30 nähert sich die Zirkulationszeit Null.
Die Umlaufszeit des, Kapitals beschränkt also überhaupt seine
Produktionszeit und daher seinen Verwertungsprozeß. Und zwar
beschränkt sie denselben im Verhältnis zu ihrer Dauer. Diese kann
aber sehr verschieden zu- oder abnehmen und daher in sehr ver-
schiedenem Grad die Produktionszeit des Kapitals beschränken. Was
aber die politische ( Oekonomie sieht, ist das, was ersch eint, nämlich
die Wirkung der Umlaufszeit auf den Verwertungsprozeß des Kapitals
überhaupt. Sie faßt diese negative Wirkung als positive auf, weil
ihre Folgen positiv sind. Sie haftet ur sö mehr an diesem Schein fest,
als er den Beweis zu liefern scheint, daß das Kapital eine von seinem
Produktionsprozeß und daher von der Ausbeutung der Arbeit unab-
hängige mystische [geheimnisvolle] Quelle der Selbstverwertung
besitzt, die ihm aus der Zirkulationssphäre zufließt. Wir werden
später sehen, wie selbst die wissenschaftliche Oekonomie sich durch
diesen Schein täuschen läßt. Er wird, wie sich ebenfalls zeigen wird,
befestigt durch verschiedene Phänomene: 1. die kapitalistische Be-
rechnungsweise des Profits, worin der negative Grund. als positiver
figuriert, indem für Kapitale in verschiedenen Anlagesphären, wo nur
die Umlaufszeit verschieden, längere Umlaufszeit als Grund der
Preiserhöhung wirkt, kurz, als einer der Gründe in der Ausgleichung
der Profite. 2. Die Umlaufszeit bildet nur ein Moment der Umschlags-
zeit; letztere aber schließt die Produktionszeit respektive Reproduk-
tionszeit ein. Was der letzteren geschuldet. scheint der Umlaufszeit

** Im Verhältnis zum Gesamtkapital, Dieses selbst muß im Gegenteil
um 8o größer sein. je länger die Zirkulationszeit, K.