Fünites Kapitel

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geschuldet. 3. Der Umsatz der Waren in variables Kapital (Arbeits-
lohn) ist bedingt durch ihre vorherige Verwandlung in Geld. Bei der
Kapitalakkumulation geht also der Umsatz in zuschüssiges variables
Kapital in der Zirkulationssphäre vor oder während der Umlaufs-
zeit. Die damit gegebene Akkumulation scheint daher der letzteren
geschuldet.
Innerhalb der Zirkulationssphäre durchläuft das Kapital — ob
in der einen oder andern Reihenfolge — die zwei entgegengesetzten
Phasen W— G und G — W. Seine Umlaufszeit zerfällt also auch
in zwei Teile, die Zeit, die es braucht, um sich aus Ware in Geld, und
die Zeit, die es braucht, um sich aus Geld in Ware zu verwandeln. Man
weiß bereits aus der Analyse der einfachen Warenzirkulation (Buch I,
Kapitel III), daß W — G, der Verkauf, der schwierigste Teil seiner
Metamorphose ist und daher unter gewöhnlichen Umständen von der
Umlaufszeit den größeren Teil bildet. Als Geld befindet sich der
Wert in seiner stets umsetzbaren Form. Als Ware muß er erst durch
Verwandlung in Geld diese Gestalt unmittelbarer Austauschbarkeit
und daher stets schlagfertiger Wirksamkeit erhalten. Indes handelt
es sich beim Zirkulationsprozeß des Kapitals in seiner Phase G — W
um seine Verwandlung in Waren, die bestimmte Elemente des pro-
duktiven Kapitals in einer gegebenen Anlage bilden, Die Produktions-
mittel sind vielleicht nicht auf dem Markt vorhanden, sondern
müssen erst produziert werden, oder sie sind von entlegenen Märkten
zu beziehen, oder es finden Ausfälle in ihrer gewöhnlichen Zufuhr statt,
Preiswechsel usw., kurz, eine Masse von Umständen, die in dem ein-
fachen Formwechsel G — W nicht erkennbar sind, aber auch für
diesen Teil der Zirkulationsphase bald mehr, bald weniger Zeit bean-
spruchen. Wie W — G und G — W zeitlich, können sie auch räum-
lich getrennt sein, Kaufmarkt und Verkaufmarkt räumlich ver-
schiedene Märkte sein; Bei Fabriken zum Beispiel sind Einkäufer
und Verkäufer sogar häufig getrennte Personen. Die Zirkulation ist
ebenso notwendig bei der Warenproduktion wie die Produktion selbst,
also die Zirkulationsagenten ebenso nötig wie die Produktionsagenten.
Der Reproduktionsprozeß schließt beide Funktionen des Kapitals
ein, also auch die Notwendigkeit der Vertretung dieser Funktionen,
sei es durch den Kapitalisten selbst, sei es durch Lohnarbeiter,
Agenten desselben. Dies ist aber ebensowenig ein Grund, die Zir-
kulationsagenten mit den Produktionsagenten zu verwechseln, als es
ein Grund ist, die Funktionen von Warenkapital und Geldkapital
mit denen von produktivem Kapital zu verwechseln. Die Zirkula-
tionsagenten müssen bezahlt werden durch die Produktionsagenten.
Wenn aber Kapitalisten, die untereinander kaufen und verkaufen,
durch diesen Akt weder Produkte noch Wert schaffen, so ändert sich
das nicht, wenn der Umfang ihres Geschäfts sie befähigt und nötigt,
diese Funktion auf andere abzuwälzen. In manchen Geschäften
werden Einkäufer und Verkäufer durch Tantieme [Anteil] am Profit
bezahlt. Die Phrase, daß sie durch die Konsumenten bezahlt