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Erster Abschnitt
ein Wunder, wenn dergleichen Verwandlung durch solche Ueber-
tragung der Funktion bewerkstelligt werden könnte. Sein Nutzen
besteht vielmehr darin, daß ein geringerer Teil der Arbeitskraft und
Arbeitszeit der Gesellschaft in dieser unproduktiven Funktion ge-
bunden wird. Noch mehr. Wir wollen annehmen, er sei bloßer Lohn-
arbeiter, meinetwegen besser bezahlter. Welches immer seine Zahlung,
als Lohnarbeiter arbeitet er einen Teil seiner Zeit umsonst. Er er-
hält vielleicht täglich das Wertprodukt von acht Arbeitsstunden und
fungiert während zehn. Die zwei Stunden Mehrarbeit, die er ver-
richtet, produzieren ebensowenig Wert wie seine acht Stunden not-
wendige Arbeit, obgleich vermittels dieser letzteren ein Teil des ge-
sellschaftlichen Produkts auf ihn übertragen wird. Erstens wird nach
wie vor, gesellschaftlich betrachtet, eine Arbeitskraft während zehn
Stunden in dieser bloßen Zirkulationsfunktion vernutzt. Sie ist für
nichts anderes verwendbar, nicht für produktive Arbeit. Zweitens
aber zahlt die Gesellschaft diese zwei Stunden Mehrarbeit nicht, ob-
gleich sie von dem Individuum, das sie verrichtet, verausgabt werden.
Die Gesellschaft eignet sich dadurch kein überschüssiges Produkt
oder Wert an. Aber die Zirkulationskosten, die er repräsentiert, ver-
mindern sich um ein Fünftel, von zehn Stunden auf acht. Die Gesell-
schaft zahlt kein Aequivalent für ein Fünftel dieser aktiven Zirku-
lationszeit, deren Agent er ist. Ist es aber der Kapitalist, der diesen
Agenten anwendet, so vermindern sich durch N ichtzahlung der zwei
Stunden die Zirkulationskosten seines Kapitals, die einen Abzug
von seiner Einnahme bilden. Für ihn ist es ein positiver Gewinn,
weil sich die negative Schranke der Verwertung seines Kapitals enger
zieht. Solange kleine selbständige Warenproduzenten einen Teil ihrer
eigenen Zeit in Kauf und Verkauf verausgaben, stellt sich dies nur
dar entweder als Zeit, verausgabt in den Intervallen ihrer produk-
tiven Funktion, oder als Abbruch an ihrer Produktionszeit.

Unter allen Umständen sind die hierauf verwandte Zeit Zirku-
lationskosten !!a, die den umgesetzten Werten nichts zuführen. Es sind
die Kosten, erforderlich, sie aus Warenform in Geldform zu über-
commerce, considere en Iui-meme simplement comme 6change, independem-
ment des frais de transport, ou envisage conjointement avec les frais de
transport). (p. 145, 146.) „Die Unkosten des Handels werden immer von den
Verkäufern der Produkte getragen, die den vollen Preis erhalten würden,
den die Käufer dafür zahlen, wenn es keine Kosten für die Vermittlung gäbe.“
(Les frais du commerce sont toujours pay€s aux depens des vendeurs des pro-
äduetions qui jouiraient de tout le prix qu’en payent les acheteurs, £’il n’y avait
point de frais interm6diaires.) (p. 163.) Die Grundbesitzer [proprietaires] und
Produzenten [produeteurs] sind „Lohnzahler‘“ [salariants], die Kaufleute
sind „Entlohnte‘“ [salaries]. (Quesnay: „Problömes 6conomiques‘‘. in Daire,
Physiocrates, I. Partie, Paris 1846, p. 164.)

18 Im Original heißt es: „Die... Zeit ist eine Zirkulationskost ... Es
ist. die Kost.“ Früher und später spricht Marx dagegen von den Zirkula-
tionskosten. Die Form „Kosten“ statt „Kost“ für die Bezeichnung von
Ausgaben ist heute die im Deutschen übliche. Die Form „Kost‘ ist ein