Sechstes Kapitel

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Kapitalist sie bezahlt. Kosten also, die die Ware verteuern, ohne
ihr Gebrauchswert zuzusetzen, für die Gesellschaft also zu den faux
frais der Produktion gehören, können für den individuellen Kapi-
talisten Quelle der Bereicherung bilden. Anderseits, soweit der Zu-
satz, den sie dem Preis der Ware hinzufügen, diese Zirkulations-
kosten nur gleichmäßig verteilt, hört ihr unproduktiver Charakter
äadurch nicht auf. Zum Beispiel Assekuranz-[ Versicherungs-]Gesell-
schaften verteilen die Verluste individueller Kapitalisten unter die
Kapitalistenklasse. Dies verhindert jedoch nicht, daß die so auS-
yeglichenen. Verluste nach wie vor, das gesellschaftliche Gesamt-
kapital betrachtet, Verluste sind.
1. Vorratbildung überhaupt.

Während seines Daseins als Warenkapital oder seines Aufent-
halts auf dem Markt, also solange es sich in dem Intervall befindet
zwischen dem Produktionsprozeß, aus dem es herauskommt, und dem
Konsumtionsprozeß, in den es eingeht, bildet das Produkt Waren-
vorrat. Als Ware auf dem Markt und daher in der Gestalt des
Vorrats erscheint das Warenkapital doppelt in jedem Kreislauf, ein-
mal als Warenprodukt des prozessierenden Kapitals selbst, dessen
Kreislauf betrachtet wird, das andere Mal dagegen als Warenprodukt
eines andern Kapitals, das sich auf dem Markt vorfinden muß, um
gekauft und in produktives Kapital verwandelt zu werden. Aller-
dings ist es möglich, daß dies letztere Warenkapital erst auf Bestellung
produziert wird. Dann findet Unterbrechung statt, solange bis es
produziert ist. Der Fluß des Produktions- und Reproduktionspro-
zesses erheischt jedoch, daß eine Masse Waren (Produktionsmittel)
sich beständig auf dem Markt vorfindet, also Vorrat bildet. Ebenso
umfaßt das produktive Kapital den Ankauf der Arbeitskraft, und
die Geldform ist hier nur die Wertform von Lebensmitteln, die der
Arbeiter großenteils auf dem Markt vorfinden muß. Wir gehen im
Fortgang dieses Paragraphen näher hierauf ein. Hier ist bereits dieser
Punkt gewonnen. Stellen wir uns auf den Standpunkt des prozes-
sierenden Kapitalwerts, der sich in Warenprodukt verwandelt hat
und nun verkauft oder in Geld rückverwandelt werden muß, der
also jetzt als Warenkapital auf dem Markt fungiert, so ist der Zu-
stand, worin es Vorrat bildet, ein zweckwidriger unfreiwilliger Auf-
enthalt auf dem Markt. Je rascher verkauft, desto flüssiger der Re-
produktionsprozeß. Der Aufenthalt in der Formverwandlung W’-— G’
hindert den realen Stoffwechsel, der im Kreislauf des Kapitals vor-
gehen muß, wie seine weitere Funktion als produktives Kapital. An-
derseits für G — W erscheint das beständige Vorhandensein der Ware
auf dem Markt, der Warenvorrat, als Bedingung des Flusses des
Reproduktionsprozesses wie der Anlage von neuem oder zusätz-
lchem Kapital.

Das Verharren des Warenkapitals als Warenvorratf auf dem
Markt erheischt Baulichkeiten, Magazine, Reservoirs [Behälter] der