Sechstes Kapitel

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Warenwerte, die Buchführung über diesen Prozeß, die Kauf- und
Verkaufshändel dagegen wirken nicht auf den Gebrauchswert, worin
der Warenwert existiert. Sie haben es nur mit seiner Form zu tun.
Obgleich daher in dem vorausgesetzten Fall diese Unkosten der Vor-
ratbildung (die hier unfreiwillig ist) bloß aus einem Aufenthalt der
Formverwandlung und aus der Notwendigkeit derselben entspringen,
so unterscheiden sie sich dennoch von den Unkosten sub I dadurch,
daß ihr Gegenstand selbst nicht die Formverwandlung des Wertes,
sondern die Erhaltung des Wertes ist, der in der Ware als Produkt,
Gebrauchswert existiert und daher nur durch die Erhaltung des
Produkts, des Gebrauchswerts selbst erhalten werden kann. Der
Gebrauchswert wird hier weder erhöht noch vermehrt, im Gegenteil
er nimmt ab. Aber seine Abnahme wird beschränkt und er wird
erhalten. Auch der vorgeschossene in der Ware existierende Wert
wird hier nicht erhöht. Aber neue Arbeit, vergegenständlichte und
ijebendige, wird hinzugesetzt.

Es ist nun weiter zu untersuchen, wie weit diese Unkosten aus
dem eigentümlichen Charakter der Warenproduktion überhaupt und
der Warenproduktion in ihrer allgemeinen, absoluten Form hervor-
gehen, das heißt der kapitalistischen Warenproduktion; wie weit sie
anderseits aller gesellschaftlichen Produktion gemeinsam sind und
hier nur innerhalb der kapitalistischen Produktion eine besondere
Gestalt annehmen, eine besondere Erscheinungsform,

A. Smith hat die fabelhafte Ansicht aufgestellt, daß die Vor-
ratbildung ein der kapitalistischen Produktion eigentümliches Phä-
nomen sei.® Neuere Oekonomen, zum Beispiel Lalor, behaupten um-
gekehrt, daß sie mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion
abnimmt. Sismondi betrachtet dies sogar als eine Schattenseite der
letzteren.

In der Tat existiert der Vorrat in drei Formen: in der Form des
produktiven Kapitals, in der Form des individuellen Konsumtions-
fonds und in Form des Warenvorrats oder Warenkapitals. Der
Vorrat in der einen Form nimmt relativ ab, wenn er in der andern
Form zunimmt, obgleich er seiner absoluten Größe nach in allen drei
Formen gleichzeitig wachsen mag.

Es ist von vornherein klar, daß, wo die Produktion direkt auf die
Befriedigung des Selbstbedarfs gerichtet ist und nur zum geringeren
Teil für den Austausch oder Verkauf produziert wird, also das gesell-
schaftliche Produkt gar nicht oder nur zum kleineren Teil die Form
der Ware annimmt, der Vorrat in der Form der Ware oder der
Warenvorrat nur einen geringen und verschwindenden Teil des
Reichtums bildet. Der Konsumtionsfonds ist aber hier relativ groß,
namentlich [der] der eigentlichen Lebensmittel. Man hat nur altertüm-
liche Bauernwirtschaft anzusehen. Ein überwiegender Teil des
Produkts verwandelt sich hier unmittelbar, ohne Warenvorrat zu
5 Wealth of Nations‘, book II, Introduetion.