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Erster Abschnitt
bilden — eben weil er in der Hand seines Besitzers bleibt —, in vor-
rätige Produktionsmittel oder Lebensmittel. Er nimmt nicht die
Form des Warenvorrats an und eben deswegen existiert in Gesell-
schaften, die auf solcher Produktionsweise gegründet sind, nach
A. Smith kein Vorrat. A. Smith verwechselt die Form des Vorrats
mit dem Vorrat selbst und glaubt, daß die Gesellschaft bisher von
der Hand in den Mund lebte oder sich auf den Zufall des folgenden
Tages verließ.!‘ Es ist ein kindisches Mißverständnis.

Vorrat in der Form des produktiven Kapitals existiert in der
Form von Produktionsmitteln, die sich bereits im Produktionsprozeß
befinden oder wenigstens in der Hand des Produzenten, also latent
schon im Produktionsprozeß. Man hat früher gesehen, daß mit der
Entwicklung der Produktivität der Arbeit, also auch mit der
Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise— welche die gesell-
schaftliche Produktivkraft der Arbeit mehr entwickelt als alle
[rüheren Produktionsweisen — die Masse der in der Form von
Arbeitsmitteln dem Prozeß ein für allemal einverleibten und stets
wiederholt, während längerer oder kürzerer Periode in ihm fun-
gierenden Produktionsmittel (Gebäude, Maschinen etc.) beständig
wächst, und daß ihr Wachstum sowohl Voraussetzung wie Wirkung
der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit
ist. Das nicht nur absolute, sondern relative Wachstum des Reich-
cums in dieser Form (vgl. Buch I, Kapitel XXIII, 2) charak-
terisiert vor allem die kapitalistische Produktionsweise. Die stoff-
16 Statt daß, wie A, Smith wähnt, die Vorratbildung erst entspringt aus
der Verwandlung des Produkts in Ware und des Konsumtionsvorrats in
Warenvorrat, verursacht umgekehrt dieser Formwechsel während des Ueber-
gangs aus der Produktion für den Selbstbedarf in die Warenproduktion die
heftigsten Krisen in der Oekonomie der Produzenten. In Indien erhielt sich
zum Beispiel bis auf die allerneueste Zeit „die Gewohnheit, das Getreide,
wofür in Jahren des Ueberflusses wenig zu haben war, massenhaft aufzu-
speichern“, (Return. Bengal and Orissa Famine, H. of C, 1867. I, p-230—231,
No. 75. [In der Engelsschen Ausgabe steht „No. 74“, K.]) Die durch
den amerikanischen Bürgerkrieg plötzlich gesteigerte Nachfrage nach
Baumwolle, Jute etc. veranlaßte in vielen Teilen Indiens [starke Aus-
dehnung des Anbaues von Baumwolle, daher] große Einschränkung des
des Reisbaues, Steigen der Reispreise und Verkauf der alten Reisvorräte der
Produzenten. Dazu kam noch [in der Engelsschen Ausgabe „nach‘‘, K.]
1864—66 beispiellose Ausfuhr von Reis nach Australien, Madagaskar ete,
Daher der akute Charakter der Hungersnot von 1866, die im Distrikt von
Orissa allein eine Million Menschen wegrafite, (a. a. 0. 174, 175, 213, 214 und
[Part] III: Papers relating to the Famine in Behar, p. 32, 33, wo unter den
Ursachen der Hungersnot der drain of old stock [der Abfluß alter Vorräte]
betont wird.) (Aus Manuskript II.) [Der genaue Titel dieser Schrift
lautet: „Accounts and Papers, Session 1867, vol. LI: East India; Bengal
and Orissa famine,‘““ Die angeführten Stellen stammen aus Teil I, bis auf
die letzte, die Teil III entnommen ist, der den Sondertitel führt: Papers
relating to the Famine in Behar. Die zitierte Stelle spricht übrigens nur
von einer „übermäßigen Ausfuhr in den Jahren 1864—65“. K.]