Sechstes Kapitel

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lichen Existenzformen des konstanten Kapitals, die Produktions-
mittel, bestehen aber nicht nur aus derartigen Arbeitsmitteln, sondern
auch aus Arbeitsmaterial auf den verschiedensten Stufen der Ver-
arbeitung und aus Hilfsstoffen. Mit der Stufenleiter der Produktion
und der Steigerung der Produktivkraft der Arbeit durch Koopera-
tion [planmäßige Zusammenarbeit. Vgl. Buch I, Kapitel XI],
Teilung, Maschinerie usw. wächst die Masse des Rohmaterials, der
Hilfsstoffe etc., die in den täglichen Reproduktionsprozeß eingehen.
Diese Elemente müssen in der Produktionsstätte bereitliegen. Der
Umfang dieses in der Form von produktivem Kapital existierenden
Vorrats wächst also absolut. Damit der Prozeß fließe -— ganz davon
abgesehen, ob dieser Vorrat täglich oder nur in bestimmten Terminen
erneuert werden kann —, muß stets mehr Anhäufung von Rohstoff
ete. in der Produktionsstätte bereitliegen, als zum Beispiel täglich
oder wöchentlich verbraucht wird. Die Kontinuität des Prozesses
erheischt, daß das Dasein seiner Bedingungen weder abhänge von
möglicher Unterbrechung bei täglichen Einkäufen noch davon, daß
das Warenprodukt täglich oder wöchentlich verkauft werde und
daher nur unregelmäßig in seine Produktionselemente rückver-
wandelbar sei. Indes kann offenbar das produktive Kapital in sehr
verschiedenem Umfang latent sein oder Vorrat bilden. Es macht
zum Beispiel großen Unterschied, ob der Spinner Baumwolle oder
Kohlen für drei Monate oder für einen parat [bereit] liegen haben
muß. Man sieht, daß dieser Vorrat relativ abnehmen kann, obgleich
er absolut zunimmt.

Es hängt dies von verschiedenen Bedingungen ab, die alle im
wesentlichen hinauskommen auf die größere Geschwindigkeit, Regel-
mäßigkeit und Sicherheit, womit die nötige Masse von Rohstoff stets
so zugeführt werden kann, daß nie Unterbrechung‘ entsteht. Je
weniger diese Bedingungen erfüllt sind, je geringer also Sicherheit,
Regelmäßigkeit und Geschwindigkeit der Zufuhr, desto größer muß

_der latente Teil des produktiven Kapitals, das heißt der noch seine
Verarbeitung erwartende Vorrat von Rohstoffen usw. in der Hand
des Produzenten sein. Diese Bedingungen stehen im umgekehrten
Verhältnis zur Entwicklungshöhe der kapitalistischen Produktion
und daher der Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit. Also
auch der Vorrat in dieser Form.

Indes ist das, was hier als Abnahme des Vorrats erscheint (zum
Beispiel bei Lalor), zum Teil nur Abnahme des Vorrats in der Form
des Warenkapitals oder des eigentlichen Warenvorrats, also bloß
Formwechsel desselben Vorrats. Ist zum Beispiel die Masse Kohlen,
die täglich im Lande selbst produziert wird, also Umfang und Energie
der Kohlenproduktion, groß, so braucht der Spinner kein großes
Kohlenlager, um die Kontinuität seiner Produktion zu sichern. Die
beständige sichere Erneuerung der Kohlenzufuhr macht dies über-
Aüssig. Zweitens: Die Geschwindigkeit, womit das Produkt eines
Prozesses als Produktionsmittel in einen andern Prozeß übergehen