Sechstes Kapitel

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ihm in G — W entgegen; nicht für sein Warenkapital, aber für das
Warenkapital anderer Kapitalisten, die Produktionsmittel für ihn
und Lebensmittel für seine Arbeiter produzieren.

Ob die Vorratbildung freiwillig oder unfreiwillig, das heißt, ob der
Warenproduzent absichtlich einen Vorrat hält, oder ob seine Waren
Vorrat bilden infolge des Widerstandes, den die Umstände des
Zirkulationsprozesses selbst ihrem Verkauf entgegenstellen, scheint
an dem Wesen der Sache nichts ändern zu können. Doch ist zur
Lösung dieser Frage nützlich zu wissen, was die freiwillige von der
unfreiwilligen Vorratbildung unterscheidet. Die unfreiwillige Bildung
des Vorrats entspringt aus oder ist identisch mit einer Zirkulations-
stockung, die vom Wissen des Warenproduzenten unabhängig ist
und. seinem Willen in die Quere kommt, Was charakterisiert die
freiwillige Vorratbildung? Nach wie vor sucht der Verkäufer seine
Ware 80 rasch wie möglich loszuschlagen. Er bietet stets das Produkt
als Ware feil. Entzöge er es dem Verkauf, so bildete es nur mögliches
(Suvajsı), kein effektives (yvee#eig) Element des Warenvorrats.
Die Ware als solche ist ihm nach wie vor nur Träger ihres Tausch-
werts, und als solcher kann sie nur wirken durch und nach Abstreifung
ihrer Warenform und Annahme der Geldform.

Der Waren vorrat muß einen gewissen Umfang haben, um während
einer gegebenen Periode zu genügen für den Umfang der Nachfrage.
Es wird dabei gerechnet auf beständige Ausdehnung des Kreises der
Käufer. Um zum Beispiel während eines Tages auszureichen, muß
ein Teil der auf dem Markt befindlichen Waren beständig in der
Warenform ausharren, während der andere fließt, sich in Geld ver-
wandelt. Der Teil, der stockt, während der andere fließt, nimmt
zwar beständig ab, wie der Umfang des Vorrats selbst abnimmt, bis
er schließlich ganz verkauft ist. Die Warenstockung ist hier also
berechnet als notwendige Bedingung des Verkaufs der Ware. Der
Umfang muß ferner größer sein als der mittlere Verkauf oder der
Umfang der mittleren Nachfrage. Die Ueberschüsse über dieselben
könnten sonst nicht befriedigt werden. Anderseits muß der Vorrat
beständig erneuert werden, weil er sich beständig auflöst. Diese
Erneuerung kann in letzter Instanz nur aus der Produktion her-
kommen, aus einer Zufuhr von Ware, Ob diese vom Ausland kommt
oder nicht, ändert nichts an der Sache. Die Erneuerung hängt ab
von den Perioden, die die Waren zu ihrer Reproduktion brauchen.
Während dieser Zeit muß der Warenvorrat ausreichen. Daß er nicht
in der Hand des ursprünglichen Produzenten bleibt, sondern durch

verschiedene Reservoirs läuft, vom großen Kaufmann bis zum Detail-
verkäufer, ändert nur die Erscheinung, nicht die Sache selbst. Ge-
zellschaftlich betrachtet, befindet sich nach wie vor ein Teil des
Kapitals in der Form des Warenvorrats, solange die Ware nicht in
die produktive oder individuelle Konsumtion eingegangen ist. Der
Produzent selbst sucht einen seiner durchschnittlichen Nachfrage
entsprechenden Lagerbestand zu haben, um nicht unmittelbar von