Sechstes Kapitel

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manns stattfindet, Der Warenvorrat ist dann nicht Bedingung des
anunterbrochenen Verkaufs, sondern Folge der Unverkäuflichkeit
der Waren. Die Kosten bleiben dieselben, aber, da sie jetzt rein aus
der Form entspringen, nämlich aus der Notwendigkeit, die Waren in
Geld zu verwandeln, und der Schwierigkeit dieser Metamorphose,
so gehen sie nicht ein in den Wert der Ware, sondern bilden Abzüge,
Wertverlust in der Realisierung des Wertes. Da die normale und die
anormale Form des Vorrats sich der Form nach nicht unterscheiden
und beides Zirkulationsstockungen sind, so können die Phänomene
verwechselt werden und um so mehr den Produktionsagenten selbst
täuschen, als für den Produzenten der Zirkulationsprozeß seines
Kapitals fließen kann, obgleich der Zirkulationsprozeß seiner Waren,
die in die Hände der Kaufleute übergegangen sind, stockt. Schwillt
der Umfang der Produktion und Konsumtion, so, bei sonst gleich-
bleibenden Umständen, der Umfang des Warenvorrats. Er wird
ebenso rasch erneuert und absorbiert [aufgesaugt], aber sein Umfang
ist größer. Der durch die Zirkulationsstockung schwellende Umfang
des Warenvorrats kann also für ein Symptom [Anzeichen] der Erwei-
terung des Reproduktionsprozesses versehen werden, namentlich,
zobald. mit der Entwicklung des Kreditsystems die wirkliche Be-
wegung mystifiziert [in täuschendes Dunkel gehüllt] werden kann.

Die Kosten der Vorratbildung bestehen: 1. aus quantitativer Ab-
nahme der Produktmasse (zum Beispiel bei Mehlvorrat); 2. Verderb
der Qualität; 3. aus der vergegenständlichten und lebendigen Arbeit,
welche die Erhaltung des Vorrats erheischt.
IN, Transportkosten.

Esistnicht nötig, hier auf alle Details der Zirkulationskosten einzu-
gehen, wie zum Beispiel Verpackung, Sortierung etc. Das allgemeine Ge-
setz ist, daß alle Zirkulationskosten, die nür aus der Form-
verwandlungderWareentspringen, dieserletzteren keinen
Wert hinzusetzen. Essind bloß Kosten zur Realisierung des Wertes
oder zu seiner Uebersetzung aus einer Form in dieandere. Das in diesen
Kosten ausgelegte Kapital (eingeschlossen die von ihm kommandierte
seiner Botmäßigkeit unterworfene] Arbeit) gehört zu den faux frais
der kapitalistischen Produktion. Der Ersatz derselben muß aus dem
Mehrprodukt geschehen und bildet, die ganze Kapitalistenklasse
betrachtet, einen Abzug vom Mehrwert oder Mehrprodukt, ganz wie
für einen Arbeiter die Zeit, die er zum Einkauf seiner Lebensmittel
braucht, verlorene Zeit ist. Die Transportkosten spielen aber eine zu
wichtige Rolle, um sie hier nicht noch kurz zu betrachten.

{innerhalb des Kreislaufs des Kapitals und der Warenmetamor-
phose, welche einen Abschnitt desselben bildet, vollzieht sich der Stoff-
wechsel der gesellschaftlichen Arbeit. Dieser Stoffwechsel mag den
Raumwechsel der Produkte bedingen, ihre wirkliche Bewegung von
einem Ort zum andern. Zirkulation von Waren kann aber stattfinden
ohne ihre physische Bewegung und Produktentransport ohne Waren-

Das Kapital. I.