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Erster Abschnitt
zirkulation und selbst ohne unmittelbaren Produktenaustausch. Ein
Haus, welches A an B verkauft, zirkuliert als Ware, aber es geht nicht
spazieren, Bewegliche Warenwerte, wie Baumwolle oder Roheisen,
hocken auf demselben Warenlager, zur selben Zeit, wo sie Dutzende
von Zirkulationsprozessen durchlaufen, gekauft und wieder verkauft
werden von den Spekulanten. !’ Was sich hier wirklich bewegt, ist der
Kigentumstitel an der Sache, nicht die Sache selbst. Anderseits
spielte zum Beispiel im Reich der Inkas die Transportindustrie eine
große Rolle, obgleich das gesellschaftliche Produkt weder als Ware
zirkulierte noch auch vermittels des Tauschhandels verteilt ward.

Wenn die Transportindustrie daher auf Grundlage der kapita-
listischen Produktion als Ursache von Zirkulationskosten erscheint,
so ändert diese besondere Erscheinungsform nichts an der Sache.

Produktmassen vermehren sich nicht durch ihren Transport.
Auch die durch ihn etwa bewirkte Veränderung ihrer natürlichen
Eigenschaften ist mit gewissen Ausnahmen kein beabsichtigter Nutz-
sffekt, sondern ein unvermeidliches Uebel. Aber der Gebrauchswert
von Dingen verwirklicht sich nur in ihrer Konsumtion, und ihre Kon-
sumtion mag ihre Ortsveränderung nötig machen, also den zusätz-
lichen Produktionsprozeß der Transportindustrie. Das in dieser
angelegte produktive Kapital setzt.also den transportierten Produk-
ten Wert zu, teils durch Wertübertragung von den Transportmitteln,
teils durch Wertzusatz vermittels der Transportarbeit. Dieser letztere
Wertzusatz zerfällt, wie bei aller kapitalistischen Produktion, in
Ersatz von Arbeitslohn und in Mehrwert.

[nnerhalb jedes Produktionsprozesses spielt die Ortsveränderung
des Arbeitsgegenstands und die dazu nötigen Arbeitsmittel und
Arbeitskräfte — Baumwolle zum Beispiel, die aus dem Kardierraum
in den Spinnraum rückt, Kohle, die aus dem Schacht auf die Ober-
Aäche gehoben wird — große Rolle. Der Uebergang des fertigen
Produkts als fertige Ware aus einer selbständigen Produktionsstätte
in die andere räumlich davon entfernte zeigt dasselbe Phänomen
nur auf größerer Stufenleiter. Auf den Transport der Produkte aus
einer Produktionsstätte in eine andere folgt noch der der fertigen
Produkte aus der Produktionssphäre in die Konsumtionssphäre.
Das Produkt ist erst fertig für die Konsumtion, sobald es diese Be-
wegung vollendet hat.

Es ist, wie früher gezeigt, allgemeines Gesetz der Warenproduk-
tion: Die Produktivität der Arbeit und ihre Wertschöpfung stehen
im umgekehrten Verhältnis. Wie von jeder andern, gilt dies von der
Transportindustrie. Je kleiner die Arbeitsmenge, tote und lebendige,
welche der Transport der Ware für gegebene Entfernung erheischt,
desto größer die Produktivkraft der Arbeit, und umgekehrt. 18

17 Storch nennt letzteres Cireulation factice [vorgetäuschte Zirkulation].

18 Ricardo zitiert Say, der es als eine Segnung des Handels betrachtet, daß
er durch die Transportkosten die Produkte verteuert oder ihren Wert erhöht.
„Der Handel“, sagt Say, „befähigt uns, eine Ware an ihrem Ursprungsort zu