L20

Zweiter Abschnitt
haben sie gemein mit dem fixen Kapital. Aber in jedem Arbeits-
prozeß, worin sie eingehen, werden sie ganz konsumiert und müssen
also für jeden neuen Arbeitsprozeß ganz ersetzt werden durch neue
Exemplare derselben Art. Sie bewahren nicht ihre selbständige Ge-
brauchsgestalt während ihrer Funktion. Es bleibt also auch während
ihrer Funktion kein Teil des Kapitalwerts in ihrer alten Gebrauchs-
gestalt, ihrer Naturalform fixiert. Der Umstand, daß dieser Teil der
Hilfsstoffe nicht stofflich in das Produkt, sondern nur seinem Wert
nach als Wertteil in den Produktenwert eingeht, und das damit Zu-
sammenhängende, daß die Funktion dieser Stoffe innerhalb der Pro-
Juktionssphäre festgebannt ist, hat Oekonomen wie Ramsay (bei
gleichzeitiger Verwechslung von fixem und konstantem Kapital) ver-
leitet, die Kategorie des fixen Kapitals auf sie anzuwenden.

Der Teil der Produktionsmittel, der stofflich in das Produkt
eingeht, also Rohstoff ete., erhält dadurch zum Teil Formen, worin
er später als Genußmittel in die individuelle Konsumtion eingehen
kann. Die eigentlichen Arbeitsmittel, die stofflichen Träger des fixen
Kapitals, werden nur produktiv verzehrt und können nicht in die
individuelle Konsumtion eingehen, weil sie nicht in das Produkt oder
den Gebrauchswert eingehen, den sie bilden helfen, vielmehr ihm
gegenüber ihre selbständige Gestalt bis zu ihrem völligen Verschleiß
bewahren. Eine Ausnahme bilden Transportmittel. Der Nutzeffekt,
den sie während ihrer produktiven Funktion, also während ihres
Aufenthalts in der Produktionssphäre hervorbringen, die Ortsver-
änderung, geht gleichzeitig in die individuelle Konsumtion, zum Bei-
spiel des Reisenden, ein. Er zahlt den Gebrauch dann auch, wie
er den Gebrauch anderer Konsumtionsmittel zahlt. Man hat gesehen,
daß zum Beispiel in der chemischen Fabrikation Rohmaterial und
Hilfsstoffe ineinander verschwimmen. [Vgl. Buch I, Kapitel V,
2, Auflage, S. 168, V. 8. 137.] So auch Arbeitsmittel und Hilfs-
stoff und Rohmaterial. So gehen im Ackerbau zum Beispiel die in
Bodenmeliorationen [Bodenverbesserungen] zugesetzten Stoffe zum
Teil als Produktbildner in das Pflanzenprodukt ein. Anderseits ist
ihre Wirkung über eine längere Periode, zum Beispiel 4—5 Jahre,
verteilt. Ein Teil derselben geht daher stofflich in das Produkt ein
and überträgt damit zugleich seinen Wert auf das Produkt, während
ein anderer Teil in seiner alten Gebrauchsform auch seinen Wert
fixiert. Er dauert fort als Produktionsmittel und erhält daher die
Form von fixem Kapital. Als Arbeitsvieh ist ein Ochse fixes Kapital.
Wird er gegessen, so fungiert er nicht als Arbeitsmittel, also auch
nicht als fixes Kapital.

Die Bestimmung, die einem Teil des in Produktionsmitteln aus-
gelegten Kapitalwerts den Charakter des fixen Kapitals gibt, liegt
ausschließlich in der eigentümlichen Weise, worin dieser Wert zir-
kuliert. Diese eigene Weise der Zirkulation entspringt aus der eigenen
Weise, worin das Arbeitsmittel seinen Wert an das Produkt abgibt,
oder sich als Wertbildner während des Produktionsprozesses ver-