Achtes Kapitel

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Umschlagszeiten, Während einer langen Reihe von Jahren bedürfen
die Gebäude, die Perrons, Wasserbehälter, Viadukte, Tunnels,
Bodeneinschnitte und Dämme, kurz alles, was im englischen Eisen-
bahnwesen als works of art [Kunstbauten] bezeichnet wird, keiner
Erneuerung. Die hauptsächlichsten Gegenstände des. Verschleißes
sind der Schienenweg und das Transportmaterial. (rolling stock
[roHlendes Material]).

Ursprünglich, bei der Errichtung der modernen Eisenbahnen,
war es vorherrschende Meinung, genährt durch die ausgezeichnetsten
praktischen Ingenieure, daß die Dauer einer Eisenbahn sekulär wäre
[nach Jahrhunderten zähle] und der Verschleiß der Schienen 80
durchaus unmerklich, daß er für alle finanziellen und praktischen
Zwecke außer acht zu lassen sei; 100 bis 150 Jahre wurden als Lebens-
zeit guter Schienen betrachtet. Es stellte sich aber bald heraus, daß
die Lebensdauer einer Schiene, die natürlich von der Geschwindig-
keit der Lokomotiven, dem Gewicht und der Anzahl der Züge, der
Dicke der Schienen selbst und einer Masse anderer Nebenumstände
abhängt, im Durchschnitt 20 Jahre nicht überschritt. In einzelnen
Bahnhöfen, Zentren großen Verkehrs, verschleißen die Schienen
sogar jedes Jahr. Gegen 1867 fing man an, Stahlschienen einzu-
führen, die ungefähr doppelt soviel kosteten wie Eisenschienen, dafür
aber miehr als doppelt so lange dauern. Die Lebensdauer der Holz-
schwellen währte 12 bis 15 Jahre. Bei dem Betriebsmaterial stellte
sich ein bedeutend größerer Verschleiß heraus für Güterwagen als für
Passagierwagen. Die Lebensdauer einer Lokomotive wurde 1867 auf
10 bıs 12 Jahre herechnet.

Der Verschleiß wird bewirkt erstlich durch den Gebrauch selbst.
Im allgemeinen verschleißen die Schienen im Verhältnis zur Anzahl
der Züge (R. C., No. 17645)22, Bei vermehrter Geschwindigkeit
wuchs der Verschleiß in einem höheren Verhältnis als dem des
Quadrats der Geschwindigkeit; das heißt, bei verduppelter Geschwin-
digkeit der Züge stieg der Verschleiß um mehr als das Vierfache.
(R. C., No. 17016.)

Ein fernerer Verschleiß tritt ein durch die Einwirkung von Natur-
kräften. So leiden Sehwellen nicht nur durch wirklichen Verschleiß,
sondern auch durch Fäulnis. „Die Unterhaltungskosten der Bahn
hängen nicht so sehr ab von dem Verschleiß, den der Bahnverkehr
mit sich führt, wie von der Qualität des Holzes, des Eisens und des
Mauerwerks, die der Atmosphäre ausgesetzt sind. Min: einziger
strenger Wintermonat wird dem Bahnkörper mehr Schaden fun als
ein ganzes Jahr Bahnverkehr.“ (R. P. Williams: „On the Maintenance

22 Die mit R.C. bezeichneten Zitate sind aus [dem oben, Note 14,
S. 102 schon angeführten Bericht der] Royal Commission on Railways.
Minutes of Evidence taken before the Commissioners. Presented to both
Houses of Parliament. London 1867. — Die Fragen und Antworten sind
numeriert und die Nummern hier angeführt.