I

Zweiter Abschnitt
Diese Differenzen rühren nur zum allergeringsten Teil von Ver-
schiedenheit der wirkliehen Auslagen her; sie stammen fast aus-
schließlich aus verschiedener Berechnungsweise, je nachdem Ausgäbe-
posten dem Kapitalkonto oder dem Revenuekonto zur Last gebracht
werden, Williams sagt geradezu: „Die geringere Belastung wird an-
genommen, weil dies für eine gute Dividende nötig ist, und die größere
Belastung wird gemacht, weil eine stärkere Revenue vorhanden ist,
die das ertragen kann.“

In gewissen Fällen wird der Verschleiß, also auch sein Ersatz,

eine praktisch verschwindende Größe, so daß allein die Reparatur-
kosten in Rechnung kommen. Was Lardner im folgenden von works
of. art bei Eisenbahnen sagt, gilt im allgemeinen für alle solche dauer-
haften Werke, Kanäle, Docks, eiserne und steinerne Brücken ete. —
„Der Verschleiß, der infolge der langsamen Wirkung der Zeit bei den
solideren Werken eintritt, wirkt fast unmerklich während kürzerer
Zeiträume ;nach Verflußeines langen Zeitraums, zum Beispiel von Jahr-
hunderten, muß er jedoch die Erneuerung, ganz oder teilweise, selbst
bei den solidesten Konstruktionen herbeiführen. Dieser unmerkliche
Verschleiß, verglichen mit dem fühlbareren bei andern Teilen der
Bahn, 1äßt sich vergleichen mit den sekulären und periodischen Un-
gleichheiten in der Bewegung der Weltkörper. Die Wirkung der Zeit
auf die massiveren Konstruktionen einer Bahn, Brücken, Tunnel,
Viadukte etc., liefert Beispiele von dem, was man einen sekulären
Verschleiß nennen kann. Die schnellere und sichtbarere Entwertung,
die in kürzeren Zeiträumen durch Reparaturen oder Ersatz gutge-
macht wird, ist den periodischen Ungleichheiten analog. In die jähr-
lichen Reparaturkosten wird auch der Ersatz des zufälligen Schadens
eingeschlossen, den die Außenseite auch der dauerhafteren Konstruk-
tionen von Zeit zu Zeit erleidet; aber auch unabhängig von diesen
Reparaturen geht das Alter nicht wirkungslos an ihnen vorbei, und
wie entfernt sie auch immer sei, die Zeit muß kommen, in der ihr
Zustand einen Neubau nötig macht. In finanzieller und ökonomischer
Beziehung mag diese Zeit allerdings viel zu entfernt sein, um sie in
praktische Rechnung zu ziehen.‘ (Lardner, a. a. O. p. 38, 39.)

Es gilt dies für alle Werke von sekulärer Dauer, bei welchen also
nicht das in ihnen vorgeschossene Kapital ihrem Verschleiß entspre-
chend allmählich zu ersetzen ist, sondern nur die jährlichen Durch-
schnittskosten der Erhaltung und Reparatur auf den Preis des Pro-
dukts zu übertragen sind.

Obgleich, wie wir gesehen, ein größerer Teil des zum Ersatz des
Verschleißes des fixen Kapitals zurückfließenden Geldes jährlich oder
3elbs$ in kürzeren Zeiträumen wieder in seine N aturalform rück-
verwandelt wird, ist dennoch für jeden einzelnen Kapitalisten ein
Amortisationsfonds nötig für den Teil des fixen Kapitals, der nur
nach Verlauf von Jahren auf einmal in seinen Reproduktionstermin
tritt und dann ganz zu ersetzen ist. Ein bedeutender Bestandteil des
fixen Kapitals. schließt durch seine Beschaffenheit die stückweise