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Zweiter Abschnitt
und zwar ist dieser Zyklus bestimmt durch die Lebenszeit, daher
die Reproduktionszeit oder Umschlagszeit des angewandten fixen
Kapitals.
In demselben Maße also, worin sich mit der Entwicklung der
kapitalistischen Produktionsweise der Wertumfang und die Lebens-
dauer des angewandten fixen Kapitals entwickelt, entwickelt sich
das Leben der Industrie und des industriellen Kapitals in jeder
besonderen Anlage zu einem vieljährigen, sage im Durchschnitt zehn-
jährigen. Wenn einerseits die Entwicklung des fixen Kapitals dieses
Leben ausdehnt, so wird es anderseits abgekürzt durch die be-
ständige Umwälzung der Produktionsmittel, die ebenfalls mit der
Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise beständig zu-
nimmt. Mit ihr daher auch der Wechsel der Produktionsmittel und
die Notwendigkeit ihres beständigen Ersatzes infolge des moralischen
Verschleißes, lange bevor sie physisch ausgelebt sind. Man kann
annehmen, daß für die entscheidendsten Zweige der großen Industrie
dieser Lebenszyklus jetzt im Durchschnitt ein zehnjähriger ist. Doch
kommt es hier nicht auf die bestimmte Zahl an. Soviel ergibt sich:
Durch diesen eine. Reihe von Jahren umfassenden Zyklus von zu-
sammenhängenden Umschlägen, in welchen das Kapital durch seinen
fixen Bestandteil gebannt ist, ergibt. sich eine materielle Grundlage
der periodischen Krisen, worin das Geschäft aufeinanderfolgende
Perioden der Abspannung, mittleren Lebendigkeit, Ueberstürzung,
Krise durchmacht. Es sind zwar die Perioden, worin Kapital an-
gelegt wird, sehr verschiedene und auseinanderfallende. Indessen
bildet die Krise immer den Ausgangspunkt einer großen Neuanlage.
Also auch — die ganze Gesellschaft betrachtet — mehr oder minder
eine neue materielle Grundlage für den nächsten Umschlagszyklus22k,

5. Ueber die Berechnungsweise des Umschlags lassen wir einen
amerikanischen Oekonomen sprechen.

„In einigen Geschäftszweigen wird das ganze vorgeschossene
Kapital mehrere Male innerhalb eines Jahres umgeschlagen oder
zirkuliert; in einigen andern schlägt ein Teil mehr als einmal im
Jahr um, ein anderer Teil nicht so häufig. Es ist die Durchschnitts-
periode, die sein ganzes Kapital gebraucht, um durch seine Hand zu
passieren oder um einmal umzuschlagen,. wonach ein Kapitalist
seinen Profit berechnen muß. Angenommen, jemand. habe in einem
bestimmten Geschäft die Hälfte seines Kapitals in Gebäuden und

Maschinerie angelegt, die einmal in 10 Jahren erneuert werden,
ein Viertel in Werkzeugen ete., die in 2 Jahren erneuert werden,

2X) „Die städtische Produktion ist an den Turnus [die Reihenfolge] der
Tage gebunden, die ländliche hingegen an den Turnus der Jahre.“ {Adam
H, Müller: „Die Elemente der Staatakunst. Berlin 1809,“ III. {In der
Engelsschen Ausgabe: II. K.] 8. 178.) Dies ist die naive Vorstellung der
Romantik von Industrie und Agrikultur.