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Zweiter Abschnitt
vollziehen. Zum Beispiel ein Vieh als Arbeitsvieh (Arbeitsmittel) bildet
stoffliche Existenzweise des fixen Kapitals, dagegen als Mastvieh
(Rohmaterial) Bestandteil des zirkulierenden Kapitals des Pächters.
Anderseits kann dasselbe Ding bald als Bestandteil des produk-
tiven Kapitals fungieren, bald zum unmittelbaren Konsumtionsfonds
gehören. Ein Haus zum Beispiel, wenn als Arbeitslokal fungierend,
ist fixer Bestandteil des produktiven Kapitals; wenn als Wohnhaus,
gar keine Form des Kapitals qua Wohnhaus [soweit es Wohnhaus
ist]. Dieselben Arbeitsmittel können in vielen Fällen bald als Pro-
duktionsmittel, bald als Konsumtionsmittel fungieren.

Es war dies der eine der Irrtümer, die aus der Smithschen Auf-
fassung folgen: die Charaktere von fixzem und zirkulierendem Kapital
als den Dingen zukommende Charaktere zu fassen. Schon die Ana-
Iyse des Arbeitsprozesses („Kapital‘‘, Buch I, Kapitel V) zeigt, wie die
Bestimmungen von Arbeitsmittel, Arbeitsmaterial, Produkt wechseln
je nach der verschiedenen Rolle, die ein und dasselbe Ding im
Prozeß einnimmt. Die Bestimmungen von fixem und nichtfixem
Kapital sind aber ihrerseits aufgebaut auf die bestimmten Rollen,
welche diese Elemente im Arbeitsprozeß und daher auch im Wert-
bildungsprozeß spielen.

Zweitens aber, bei Aufzählung der Dinge, woraus fixes und zir-
kulierendes Kapital bestehen, kommt ganz zum Ausbruch, daß Smith
den nur in Bezug auf das produktive Kapital (das Kapital in seiner
produktiven Form) gültigen und Sinn habenden Unterschied von
fixen und flüssigen Bestandteilen desselben zusammenwirft mit
dem Unterschied zwischen produktivem Kapital und den dem
Kapital in seinem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen: Waren-
kapital und Geldkapital. Er sagt an derselben Stelle (p. 187, 188):
„Das zirkulierende Kapital besteht... aus den Lebensmitteln,
Rohmaterialien und Fertigfabrikaten aller Art, die sich in den
Händen der betreffenden Händler befinden, und aus dem Geld, das
zu ihrer Zirkulation und Verteilung notwendig ist‘. 22 — In der Tat,
wenn wir näher zusehen, so ist hier, im Gegensatz zum Früheren,
zirkulierendes Kapital wieder gleichgesetzt mit Warenkapital und
Geldkapital, also mit zwei Formen des Kapitals, die gar nicht dem
Produktionsprozeß angehören, die nicht zirkulierendes (flüssiges)
Kapital im Gegensatz zum fixen, sondern Zirkulationskapital im
Gegensatz zum produktiven Kapital bilden. Nur neben diesen

figurieren dann wieder die in Materialien (Rohstoff oder Halb-
labrikaten) vorgeschossenen und wirklich dem Produktionsprozeß
einverleibten Bestandteile des produktiven Kapitals. Er sagt:

„+. Der dritte und letzte von den drei Teilen, in die sich der
Gesamtvorrat der Gesellschaft naturgemäß teilt, ist das zirku-

22 „The circulating capital consists , . , of the provisions, materials, and
finished. work of all kinds that are in the hands of their respective dealers,
and of the money that is necessary for cireulating and distributing them ete.“