Elftes. Kapitel

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dem ihm einverleibten Mehrwert) aus der Zirkulation zurückerhält
oder realisiert. Was der Käufer einer Ware mit derselben anfangen
will, ist dem Verkäufer durchaus gleichgültig. Der Kapitalist erhält
eine Maschine nicht wohlfeiler, weil er ihren ganzen Wert auf
einmal vorschießen muß, während ihm derselbe Wert nur allmählich
und stückweise aus der Zirkulation zurückströmt, noch zahlt er die
Baumwolle deswegen teurer, weil ihr Wert ganz in den Wert des aus
ihr verfertigten Produkts eingeht und daher ganz und auf einmal
durch den Verkauf des Produkts ersetzt wird.

Kehren wir zu Ricardo zurück.

1. Das Charakteristische des variablen Kapitals ist, daß ein be-
stimmter, gegebener (also als solcher konstanter) Kapitalteil, eine
gegebene Wertsumme (angenommen gleich dem Wert der Arbeitskraft,
obgleich es hier gleichgültig ist, ob der Arbeitslohn gleich, größer oder
kleiner als der Wert der Arbeitskraft), ausgetauscht wird gegen einesich
verwertende, wertschaffende Kraft — die Arbeitskraft, welche nicht
nur ihren vom Kapitalisten bezahlten Wert reproduziert, sondern
zugleich einen Mehrwert produziert, einen vorher nicht vorhandenen
und durch kein Aequivalent erkauften Wert. Diese charakteristische
Eigenschaft des in Arbeitslohn ausgelegten Kapitalteils, die es als
variables Kapital von dem konstanten Kapital toto coelo [in jeder
Beziehung] unterscheidet, verschwindet, sobald der in Arbeitslohn
ausgelegte. Kapitalteil bloß vom Standpunkt des Zirkulationspro-
zesses betrachtet wird und so als zirkulierendes Kapital erscheint
gegenüber dem in Arbeitsmitteln ausgelegten fixen Kapital. Es geht
dies schon.daraus hervor, daß es dann unter einer Rubrik — der des
zirkulierenden Kapitals — zusammen mit einem Bestandteil des
konstanten Kapitals, dem in Arbeitsmaterial ausgelegten, gegenüber-
gestellt wird einem andern Bestandteil des konstanten Kapitals,
dem in Arbeitsmitteln ausgelegten. Vom Mehrwert, also gerade von
dem Umstand, der die ausgelegte Wertsumme in Kapital verwandelt,
wird dabei ganz abgesehen. Ebenso wird davon abgesehen, daß der
Wertteil, den das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital dem Produkt
zusetzt, neu produziert (also auch wirklich reproduziert ist), während
der Wertteil, den das Rohmaterial dem Produkt zusetzt, nicht neu
produziert, nicht wirklich reprodüziert, sondern nur im Produktwert
erhalten, konserviert ist und daher als Wertbestandteil des Produkts
nur wieder erscheint. Der Unterschied, wie er sich vom Gesichtspunkt
des Gegensatzes von flüssigem und fixem Kapital jetzt darstellt,
besteht nur darin: der Wert der zur Produktion einer Ware ange-
wandten Arbeitsmittel geht nur teilweise in den Wert der Ware ein
und wird daher durch den Verkauf der Ware auch nur teilweise ersetzt,
wird daher überhaupt nur stückweise und allmählich ersetzt. Ander-
seits der Wert der zur Produktion einer Ware verwandten Arbeits-
kraft und Arbeitsgegenstände (Rohstoffe etc.) geht ganz in die Ware
ein und wird daher ganz durch ihren Verkauf. ersetzt. Insofern stellt
sich mit Bezug auf den Zirkulationsprozeß der eine Teil des Kapitals

Das Kapital. II.