Zwölftes Kapitel

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sammenhängender Produktionsakt wird unterbrochen. Wird das Werk
nicht weitergeführt, so'sind die bereits in seiner Produktion verzehr-
ten Produktionsmittel und Arbeit nutzlos verausgabt. Selbst wenn
es wieder aufgenommen wird, hat in der Zwischenzeit stets Deterio:
ration [Entwertung] stattgefunden.

Während der ganzen Dauer der Arbeitsperiode häuft sich schicht-
weise der Wertteil, den das fixe Kapital täglich an das Produkt bis
zu dessen Reife abgibt. Und hier zeigt sich zugleich der Unterschied.
von fixem und zirkulierendem Kapital in seiner praktischen Wichtig-
keit. Das fixe Kapital ist für längere Zeitdauer dem Produktions-
prozeß vorgeschossen, es braucht nicht vor Ablauf dieser vielleicht
mehrjährigen Frist erneuert zu werden. Der Umstand, ob die Dampf-
maschine ihren Wert stückweise täglich auf Garn, das Produkt eines
diskreten Arbeitsprozesses, oder während drei Monaten auf eine Loko-
motive, das Produkt eines kontinuierlichen Produktionsakts,  ab-
gibt, ändert durchaus nichts an der Auslage des für den Ankauf der
Dampfmaschine nötigen Kapitals. In dem einen Fall strömt ihr Wert
in kleinen Dosen zurück, zum Beispiel wöchentlich, im andern in
größeren Massen; zum. Beispiel dreimonatlich. Aber in beiden
Fällen findet die Erneuerung der Dampfmaschine vielleicht erst nach
20 Jahren statt. Solange jede einzelne Periode, innerhalb deren ihr
Wert .durch Verkauf des Produkts stückweise zurückfließt, kürzer
ist als ihre eigene Existenzperiode, fährt dieselbe Maschine fort,
während mehrerer Arbeitsperioden im Produktionsprozeß zu fungieren.

Anders verhält es sich dagegen mit den zirkulierenden Bestand-
teilen des vorgeschossenen Kapitals. . Die für diese. Woche gekaufte
Arbeitskraft ist verausgabt während dieser Woche und hat sich im
Produkt vergegenständlicht. Sie muß Ende dieser Woche bezahlt
werden. Und diese Kapitalauslage in Arbeitskraft wiederholt sich
wöchentlich während der drei Monate, ohne daß die Verausgabung
dieses Kapitalteils in der einen Woche den Kapitalisten befähige, den
Ankauf der Arbeit in der nächsten Woche zu bestreiten. Es muß
wöchentlich neues zuschüssiges Kapital in Zahlung von. Arbeitskraft
verausgabt werden und, wenn wir von allen Kreditverhältnissen ab-
sehen, muß der Kapitalist fähig sein, für die Zeit von drei Monaten
Arbeitslohn auszulegen, obgleich er ihn nur in wöchentlichen Dosen
zahlt. Ebenso mit dem andern Teil des zirkulierenden Kapitals, den
Roh- und Hilfsstoffen. Eine Schicht von Arbeit nach der andern
lagert sich auf dem Produkt ab. Nicht nur der Wert der verausgabten
Arbeitskraft, sondern auch Mehrwert wird beständig während. des
Arbeitsprozesses auf das Produkt übertragen, aber auf unfertiges

Produkt, das noch nicht die Gestalt der fertigen Ware hat, also noch
nicht zirkulationsfähig ist. Dasselbe gilt von dem in Roh- und Hilfs-
stoffen schichtweise auf das Produkt übertragenen Kapitalwert,

Je nach der längeren oder kürzeren Dauer der Arbeitsperiode,
welche die spezifische Natur des Produkts oder des zu erreichenden
Nutzeffekts zu ihrer Herstellung beansprucht, ist eine beständige;