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Zweiter Abschnitt
gemacht, und so ihr Jungvieh behalten können, bis es älter und
schwerer wurde, sondern das Malz hätte auch statt Milch zur Auf-
zucht von Kälbern gedient bei Leuten, die keine Kühe halten; und
der jetzige erschreckende Mangel an Jungvieh wäre großenteils ver-
mieden worden. Empfiehlt man diesen kleinen Leuten jetzt, die
Kälber aufzuziehen, so sagen sie: Wir wissen sehr wohl, daß die Auf-
zucht mit Milch sich lohnen würde, aber erstens müßten wir Geld
auslegen, und das können wir nicht, und zweitens müßten wir lange
warten, bis wir unser Geld wieder bekommen, während wir es in der
Milchwirtschaft sogleich zurückerhalten.‘ (Ebenda, p. 11, 12 [in
der Engelsschen Ausgabe steht 12, 13. K.])

Wenn die Verlängerung des Umschlags solche Folgen schon
bei kleineren englischen Pächtern hat, so ist leicht zu begreifen,
welche Störungen sie bei den Kleinbahern des Kontinents hervor-
rufen muß.

Entsprechend der Dauer der Arbeitsperiode, also auch der Zeit-
periode bis zur Fertigstellung der zirkulationsfähigen Ware, häuft
sich der Wertteil, den das fixe Kapital schichtweise an das Produkt
abgibt, und verzögert sich der Rückfluß dieses Wertteils. Aber diese
Verzögerung verursacht nicht erneuerte Auslage in fixem Kapital.
Die Maschine fährt fort, im Produktionsprozeß zu wirken, ob der
Ersatz ihres Verschleißes langsamer oder rascher in Geldform zurück-
strömt. Anders verhält es sich mit dem zirkulierenden Kapital. Nicht
nur muß im Verhältnis zur Dauer der Arbeitsperiode Kapital auf
längere Zeit festgelegt, es muß auch beständig neues Kapital in
Arbeitslohn, Roh- und Hilfsstoffen vorgeschossen werden.3%* Ver-
zögerter Rückfluß wirkt daher verschieden auf beide. Der Rückfluß
mag langsamer oder rascher sein, das fixe Kapital fährt fort zu wirken.
Das zirkulierende Kapital dagegen wird funktionsunfähig bei ver-
zögertem Rückfluß, wenn es in der Form von unverkauftem oder
unfertigem, noch nicht verkäuflichem Produkt festliegt und kein
Zuschußkapital vorhanden ist, um es in natura zu erneuern. —
„Während der Bauer verhungert, gedeiht sein Vieh. Es hatte ziem-
lich geregnet und das Grasfutter stand üppig. Der indische Bauer
wird verhungern neben einem fetten Ochsen. Die Vorschriften des
Aberglaubens erscheinen grausam gegenüber dem einzelnen, aber
sie sind erhaltend für die Gesellschaft; die Erhaltung des Arbeits-
viehs sichert den Fortgang des Ackerbaus und damit die Quellen
künftigen Lebensunterhalts und Reichtums. Es mag hart und
traurig lauten, aber es ist so: In Indien ist ein Mensch leichter zu

30% In der 1. Auflage folgt hier der Satz: „Es zeigt sich hier, daß die Unter-
schiede von fixem und flüssigem Kapital aus der Rolle entspringen, welche
die verschiedenen Faktoren im Arbeitsprozeß spielen, indem die einen in
wiederholten Arbeitsprozessen fortwirken, die andern beständig erneuert
werden, diese also beständig durch die Zirkulation ganz ersetzt werden
müssen, jene nicht.“ K.