Dreizehntes Kapitel

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guten Landwirte nach ihren eigenen Berechnungen zweifellos selbst
für den Durchschnitt viel zu niedrig finden werden.‘ („„Essai sur
l’Economie Rurale de la Belgique par Emile de Laveleye, Brüssel
[In der Engelsschen Ausgabe, in der die Uebersetzung {iceier ist als
die hier gegebene, steht „,Paris‘‘. K.] 1863‘, p. 59, 60, 63.)

Nehmen wir schließlich die Holzzucht. — „Die Holzproduktion
unterscheidet sich von den meisten übrigen Produktionen wesentlich
dadurch, daß bei ihr die Naturkraft selbständig wirkt und bei natür-
licher Verjüngung der Menschen- und Kapitalkraft nicht bedarf.
Vebrigens ist auch selbst da, wo die Wälder künstlich verjüngt werden,
der Aufwand von Menschen- und Kapitalkraft neben dem Wirken
der Naturkräfte nur gering. Außerdem findet der Wald noch auf
Bodenarten und in Lagen Gedeihen, wo das Getreide nicht mehr
fortkommt oder dessen Produktion doch nicht mehr lohnt. Der
Waldbau erfordert aber auch zu einer regelmäßigen Wirtschaft einen
größeren Flächenraum als die Getreidekultur, indem bei kleineren
Parzellen [Bodenflächen] keine forstwirtschaftliche Schlagführung aus-
führbar ist, die Nebennutzungen meist verloren gehen, der Forstschutz
schwerer zuhandhaben istusw. Der Produktionsprozeß ist aberauch an
so lange Zeiträume gebunden, daß er über die Pläne einer Privatwirt-
schaft, einzeln sogar über die Zeit eines Menschenlebens hinausgeht.
Das für Erwerbung des Landbodens angelegte Kapital‘ (bei Gemein-
produktion fällt dieses Kapital fort ‚und ist die Frage nur, wieviel
Boden die Gemeinde für Waldproduktion dem Acker- und Weide-
boden entziehen kann) „trägt nämlich erst nach langer Zeit lohnende
Früchte und schlägt nur teilweise, vollständig aber erst bei manchen
Holzarten in Forsten bis zu 150 Jahren um. Außerdem erfordert
die nachhaltige Holzproduktion selbst einen Vorrat lebendigen Holzes,
welcher das Zehn- bis Vierzigfache der jährlichen Nutzung beträgt.
Wer daher nicht noch ein anderes Einkommen hat und bedeutende
Waldstrecken besitzt, kann keine regelmäßige Waldwirtschaft
führen.‘‘ (Kirchhof, a. a. O., 8. 58.)

Die lange Produktionszeit (die einen relativ nur geringen Um-
fang der Arbeitszeit einschließt), daher die Länge ihrer Umschlags-
perioden macht die Waldzucht zu einem ungünstigen Privat- und
daher kapitalistischen Betriebszweig, welcher letztere wesentlich
Privatbetrieb ist, auch wenn statt des einzelnen Kapitalisten der
assoziierte Kapitalist auftritt. Die Entwicklung der Kultur und
Industrie überhaupt hat sich von jeher so tätig in der Zerstörung
der Waldungen gezeigt, daß dagegen alles, was sie umgekehrt zu
deren Erhaltung und Produktion. getan hat, eine vollständig ver-
schwindende Größe ist.

Besonders bemerkenswert in dem Zitat von Kirchhof ist folgende
Stelle: „Außerdem erfordert die nachhaltige Holzproduktion selbst
einen Vorrat lebendigen Holzes, der das Zehn- bis Vierzigfache der
jährlichen Nutzung beträgt.‘ Also einmaliger Umschlag in zehn
bis vierzig und mehr Jahren,