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Zweiter Abschnitt
Ebenso bei der Viehzucht. Ein Teil der Herde (Viehvorrat)
bleibt im Produktionsprozeß, während ein anderer Teil derselben als
Jährliches Produkt verkauft wird. Nur ein Teil des Kapitals schlägt
hier jährlich um, ganz wie bei dem fixen Kapital, Maschinerie, Arbeits-
vieh etc. Obgleich dies Kapital für längere Zeit im Produktions-
prozeß fixiertes Kapital ist und so den Umschlag des Gesamtkapitals
verlängert, bildet es nicht fixes Kapital im kategorischen Sinn [im
eigentlichen Sinn des Wortes].

Was hier Vorrat genannt wird — ein bestimmtes Quantum leben-
digen Holzes oder Viehs —, befindet sich relativ im Produktions-
prozeß (zugleich als Arbeitsmittel und als Arbeitsmaterial); nach den
Naturbedingungen seiner Reproduktion, bei geregelter Wirtschaft,
muß sich stets ein bedeutender Teil in dieser Form befinden.

Aehnlich auf den Umschlag wirkt eine andere Art des Vorrats,
die nur potentielles produktives Kapital bildet, aber infolge der Natur
der Wirtschaft in größeren oder geringeren Massen angehäuft sein,
daher für längere Zeit der Produktion vorgeschossen sein muß, ob-
gleich sie nur nach und nach in den aktiven Produktionsprozeß ein-
geht. Dazu gehört zum Beispiel derDünger, bevor er aufs Feld geführt
wird, ebenso Korn, Heu etc. und solche Lebensmittelvorräte, die in
die Produktion des Viehs eingehen. ‚Ein beträchtlicher Teil des
Betriebskapitals ist in den Vorräten der Wirtschaft enthalten. Diese
können aber in ihrem Wert mehr oder weniger verlieren, sobald die
für ihre gute Erhaltung erforderlichen Vorsichtsmaßregeln nicht ge-
hörig in Anwendung gebracht werden; ja es kann durch Mangel an
Aufsicht selbst ein Teil der Produktenvorräte für die Wirtschaft

gänzlich verloren gehen. Es wird daher in dieser Beziehung vorzugs-
weise eine sorgfältige Aufsicht über die Scheunen, Futter- und Ge-
treideböden und Keller erforderlich, sowie die Vorratsräume stets ge-
hörig zu verschließen, außerdem aber reinlich zu halten, auszulüften
sind usw.; das Getreide und andere zur Aufbewahrung gebrachte
Früchte müssen von Zeit zu Zeit gehörig gewendet, Kartoffeln und
Rüben sowohl gegen Frost als gegen Wasser und Feuer geschützt
werden.“ (Kirchhof, S. 292.) „Bei Berechnung des eigenen Bedarfs,
besonders für die Viehhaltung, wobei die Verteilung nach Maßgabe
des Erzeugnisses und des Zweckes vorzunehmen ist, muß man nicht
nur auf die Deckung des Bedürfnisses, sondern außerdem auch noch
darauf Rücksicht nehmen, daß für unvorhergesehene Fälle auch noch
ein verhältnismäßiger Vorrat übrigbleibe. Sobald sich nun hierbei
ergibt, daß der Bedarf durch das eigene Erzeugnis nicht vollständig
gedeckt werden kann, so hat man zunächst in Betracht zu ziehen,
ob man nicht durch andere Erzeugnisse (Ersatzmittel) diesen Mangel
decken oder doch solche statt der fehlenden wohlfeiler anschaffen
könne. Wenn zum Beispiel sich ein Mangel an Heu herausstellen
sollte, so läßt sich dieser durch Wurzelwerk mit Strohzusatz decken.
Veberhaupt muß man hierbei den Sachwert und den Marktpreis der ver-
schiedenen Erzeugnisse stets im Auge behalten und die Bestimmungen