Dreizehntes Kapitel

201
für die Konsumtion danach treffen; ist zum Beispiel der Hafer
teurer, während Erbsen und Roggen verhältnismäßig niedrig stehen,
so wird man mit Vorteil einen Teil des Hafers bei Pferden durch
Erbsen oder Roggen ersetzen und den hierdurch erübrigten Hafer
verkaufen.‘ (Ebenda, 8. 300.)

Es ist früher bei Betrachtung der Vorratbildung bereits bemerkt
worden, daß ein bestimmtes größeres oder kleineres Quantum von
potentiellem% produktivem Kapital erfordert ist, das heißt von für
die Produktion bestimmten Produktionsmitteln, die in größeren oder
kleineren Massen vorrätig sein müssen, um nach und nach in den
Produktionsprozeß einzugehen. Es ist dabei bemerkt worden, daß
bei einer gegebenen Geschäftsunternehmung oder einem Kapital-
betrieb von bestimmtem Umfang die Größe dieses Produktionsvorrats
abhängt von der größeren oder geringeren Schwierigkeit seiner Er-
hneuerung, relativer Nähe der Bezugsmärkte, Entwicklung der Trans-
port- und Kommunikationsmittel ete. Alle diese Umstände wirken
ein auf das Minmium von Kapital, das in der Form von produktivem
Vorrat vorhanden sein muß, also auf die Zeitlänge, wofür die Kapital-
vorschüsse zu machen, und auf den Umfang der auf einmal vorzu-
schießenden Kapitalmasse. Dieser Umfang, der also auch auf den
Umschlag wirkt, wird bedingt durch die längere oder kürzere Zeit, für
welche zirkulierendes Kapital in der Form von produktivem Vorrat
als bloß potentielles produktives Kapital festliegt. Anderseits, soweit
diese Stauung von größerer oder geringerer Möglichkeit des raschen
Ersatzes, von Marktverhältnissen usw. abhängt, entspringt sie selbst
wieder aus der Umlaufszeit, aus Umständen, die der Zirkulations-
sphäre angehören. „Ferner müssen alle solche Inventarienstücke
[das Inventar in der Landwirtschaft besteht aus Vieh (lebendem) oder
Geräten (totem Inventar)] oder Zutaten, wie Handarbeitsgeräte, Siebe,
Körbe, Stricke, Wagenschmiere, Nägel usw., um so mehr zum augen-
blicklichen Ersatze im Vorrat vorhanden sein, je weniger man die
Gelegenheit in der Nähe hat, solche schnell anschaffen zu können.
Endlich soll jährlich das ganze Gerätinventar im Winter sorgfältig
hachgesehen und für die hierbei sich notwendig machende Ergänzung
und Instandsetzung sofort gesorgt werden. Ob man sich nun aber
im allgemeinen größere oder kleinere Vorräte zum Bedarf des Inven-
tars halten soll, wird hauptsächlich durch die Lokalverhältnisse be-
stimmt. Wo Handwerksleute und Kaufläden nicht in der Nähe sind,
da muß man auf größere Vorräte halten als dort, wo man solche im
Orte oder doch sehr nahe findet. Wenn man aber unter sonst gleichen
Verhältnissen die bedürfenden Vorräte in größeren Mengen auf ein-
mal anschafft, gewinnt man in der Regel den Vorteil des billigen
Einkaufs, wenn man nur sonst hierzu einen geeigneten Zeitpunkt
gewählt hat; freilich entzieht man hierdurch aber auch dem

301 Hier in demselben Sinne gebraucht wie oben latent. Vgl. die
Engelssche Note 6% zu Kapitel II dieses Buches, S. 48. K.