Fünfzehntes Kapitel

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Wir werden im nächsten Kapitel sehen, wie andere Umstände,
ob sie nun aus dem Produktions- oder Zirkulationsprozeß entspringen,
dies Vorhandensein einer bestimmten Portion des vorgeschossenen
Kapitals in Geldfiorm ernötigen. Allgemein aber ist zu bemerken,
daß die Oekonomen sehr geneigt sind zu vergessen, daß ein Teil des
im Geschäft nötigen Kapitals beständig nicht nur die drei Formen
von Geldkapital, produktivem Kapital und Warenkapital wechsel-
weise durchläuft, sondern daß verschiedene Portionen desselben be-
ständig nebeneinander diese Formen besitzen, wenn auch die relative
Größe dieser Portionen beständig wechselt. Namentlich ist es der
beständig als Geldkapital vorhandene Teil, den die Oekonomen ver-
gegsen, obgleich gerade dieser Umstand zum Verständnis der bürger-
lichen Wirtschaft sehr nötig ist und daher auch in der Praxis als
solcher sich geltend macht.

Fünfzehntes Kapitel.
Wirkung der Umschlagszeit auf die Größe
des Kapitalvorschusses.
In diesem und dem nächstfolgenden sechzehnten Kapitel be-
handeln wir den Einfluß der Umschlagszeit auf die Verwertung des
Kapitals.300

Nehmen wir das Warenkapital, welches das Produkt einer Arbeits-
periode ist, zum Beispiel von 9 Wochen. Sehen wir einstweilen ab so-
wohl von dem Wertteil des Produkts, der ihm durch den Durch-
schnittsverschleiß des fixen Kapitals zugesetzt ist, wie von dem wäh-
rend des Produktionsprozesses ihm zugesetzten Mehrwert, so ist der
Wert dieses Produkts gleich dem Wert des zu seiner Produktion vor-
geschossenen flüssigen Kapitals, das heißt des Arbeitslohnes und der in
seiner Produktion aufgezehrten Roh- und Hilfsstoffe, Dieser Wert
sei gleich 900 Pfd. Sterl., so daß die Wochenauslage 100 Pfd. Sterl.
beträgt. Die periodische Produktionszeit, welche hier mit der Arbeits-
periode zusammenfällt, beträgt also 9 Wochen. Es ist dabei gleich-
gültig, ob man annimmt, es handle sich hier um eine Arbeitsperiode
300 Ehe der Leser an dieses Kapitel herangeht, raten wir ihm, die Bemer-
kung zu lesen, die Engels dazu am Ende des Absatzes IV, S. 236 und 237
macht. Damit soll dem Leser nicht geraten werden, das vorliegende Kapitel]
einfach zu überschlagen. Es enthält ja außer den fragwürdigen Tabellen
eine Reihe sehr wichtiger Ausführungen, Der Leser zoll nur auf die Tabellen
nicht übermäßig viel Gewicht legen, Sie bieten jetzt noch Schwierigkeiten,
trotz der klärenden Arbeit, die Engels an ihnen vollzog. Marx passierte
hier nicht nur mancher Rechenfehler, sondern auch gelegentlicher Wechsel
der Voraussetzungen, auf die er seine Tabellen aufbaute. So hat er auf
Seite 220/221 das Jahr zunächst mit 50 Wochen angenommen, dann aber
mit 51 (siehe S. 221. Anm. 31%. K.