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Zweiter Abschnitt
zwingt, ihm längere Vorschüsse seiner Arbeit zu machen, muß das
für Arbeitslohn nötige Kapital in Geldform vorhanden sein. Beim
Rückfluß des Kapitals muß also ein Teil in Geldform festgehalten
werden zur Zahlung der Arbeit, während der andere Teil in produk-
tiven Vorrat verwandelt werden kann.
Das Zuschußkapital teilt sich ganz ein wie das ursprüngliche.
Was es aber von Kapital I [dem ursprünglichen] unterscheidet,
ist, daß es (von Kreditverhältnissen abgesehen), um für seine
eigene Arbeitsperiode disponibel zu sein, vorgeschossen sein muß
schon während der ganzen Dauer der ersten Arbeitsperiode von
Kapital I, in die es nicht eingeht. Während dieser Zeit kann
es, teilweise wenigstens, schon in konstantes zirkulierendes Kapital
verwandelt werden, das für die ganze Umschlagsperiode vor-
geschossen ist. Wie weit es diese Form annimmt oder wie
weit es in der Form von zuschüssigem Geldkapital verharrt,
bis zum Moment, wo diese Verwandlung notwendig wird,
wird abhängen teils von den besonderen Produktionsbedingungen
bestimmter Geschäftszweige, teils von Lokalumständen, teils von
Preisschwankungen der Rohstoffe etc. Das gesellschaftliche Ge-
samtkapital betrachtet, wird sich stets ein mehr oder minder be-
deutender Teil dieses zuschüssigen Kapitals für längere Zeit im
Zustand des Geldkapitals befinden. Was dagegen den in Arbeitslohn
vorzuschießenden Teil des Kapitals II betrifft, so wird er stets erst
allmählich in Arbeitskraft verwandelt im Maß, wie kleinere Arbeits-
perioden ablaufen und bezahlt werden. Dieser Teil des Kapitals IT
ist also für die ganze Dauer der Arbeitsperiode in der Form des Geld-
kapitals vorhanden, bis er durch Verwandlung in Arbeitskraft in die
Funktion des produktiven Kapitals eingeht.

Dies Hereinkommen des zur Verwandlung der Umlaufszeit von
Kapital I in Produktionszeit erheischten Zuschußkapitals vermehrt
also nicht nur die Größe des vorgeschossenen Kapitals und die Länge
der Zeit, wofür das Gesamtkapital notwendig vorgeschossen wird,
sondern es vermehrt auch spezifisch den Teil des vorgeschossenen
Kapitals, der als Geldvorrat existiert, also sich im Zustand von Geld-
kapital befindet und die Form von potentiellem Geldkapital besitzt.

Dies findet ebenso statt — sowohl was den Vorschuß in der
Form von produktivem Vorrat wie in der Form von Geldvorrat
betrifft —, wenn die durch die Umlaufszeit erheischte Spaltung des
Kapitals in zwei Teile: Kapital für die erste Arbeitsperiode und
Ersatzkapital für die Umlaufszeit, nicht durch Vergrößerung des
ausgelegten Kapitals, sondern durch Verminderung der Stufenleiter
der Produktion hervorgebracht ist, Im Verhältnis zur Stnfenleiter
der Produktion wächst hier eher noch die Zunahme des in Geldform

gebannten Kapitals.

Was durch diese Verteilung des Kapitals in ursprünglich pro-
duktives und Zuschußkapital überhaupt erreicht ist, ist die ununter-
brochene Aufeinanderfolge der Arbeitsperioden, die beständige