Fünfzehntes Kapitel

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den Ueberschuß der Zirkulationsperiode über eine Arbeitsperiode
oder über ein Multipel von. Arbeitsperioden auszufüllen hat.

In allen untersuchten Fällen wurde angenommen, daß sowohl
Arbeitsperiode wie Umlaufszeit das ganze Jahr hindurch in dem be-
liebigen hier betrachteten Geschäft dieselben bleiben. Diese Vor-
aussetzung war nötig, wollten wir den Einfluß der Umlaufszeit auf
Umschlag und Kapitalvorschuß feststellen. Daß sie in der Wirk-
lichkeit nicht in dieser Unbedingtheit und oft gar nicht gilt, ändert
an der Sache nichts.

Wir haben in diesem ganzen Abschnitt nur die Umschläge des
zirkulierenden Kapitals betrachtet, nicht die des fixen. Aus dem ein-
fachen Grund, weil die behandelte Frage nichts mit dem fixen Kapi-
tal zu tun hat. Die im Produktionsprozeß angewandten Arbeits-
mittel etc. bilden nur fixes Kapital, soweit ihre Gebrauchszeit länger
dauert als die Umschlagsperiode des flüssigen Kapitals, soweit die
Zeit, während deren diese Arbeitsmittel fortfahren, in beständig wie-
derholten Arbeitsprozessen zu dienen, größer ist als die Umschlags-
periode des flüssigen Kapitals, also gleich n Umschlagsperioden des
flüssigen Kapitals ist. Ob die Gesamtzeit, welche durch diese n Um-
schlagsperioden des flüssigen Kapitals gebildet wird, länger oder
kürzer ist, der Teil des produktiven Kapitals, der für diese Zeit in
fixem Kapital vorgeschossen war, wird innerhalb derselben nicht von
neuem vorgeschossen. Er fährt fort, in seiner alten Gebrauchsform
zu fungieren. Der Unterschied ist nur der: je nach der verschiedenen
Länge der einzelnen Arbeitsperiode jeder Umschlagsperiode des
Aüssigen Kapitals gibt das fixe Kapital größeren oder geringeren
Teil seines Originalwerts an das Produkt dieser Arbeitsperiode ab,
und je nach der Dauer der Zirkulationszeit einer jeden Umschlags-
periode fließt dieser an das Produkt abgegebene Wertteil des fixen
Kapitals rascher oder langsamer in Geldform zurück. Die Natur des
Gegenstandes, den wir in diesem Abschnitt behandeln — der Um-
schlag des zirkulierenden Teils des produktiven Kapitals —, geht aus
der Natur dieses Kapitalteils selbst hervor. Das in einer Arbeits-
periode angewandte flüssige Kapital kann nicht in einer neuen Ar-
beitsperiode angewandt werden, bevor es seinen Umschlag vollendet,
sich in Warenkapital, aus diesem in Geldkapital und aus diesem wieder
in. produktives Kapital verwandelt hat. Um daher die erste Arbeits-
periode sofort durch eine zweite zu kontinuieren [fortzusetzen], muß
von neuem Kapital vorgeschossen und in die flüssigen Eıemente des
produktiven Kapitals verwandelt werden, und. zwar in hinreichender
Quantität, um die durch die Zirkulationsperiode des für die erste
Arbeitsperiode vorgeschossenen flüssigen Kapitals entstehende Lücke
auszufüllen. Daher der Einfluß der Länge der Arbeitsperiode des
flüssigen Kapitals auf die Betriebsstufenleiter des Arbeitsprozesses
und auf die Teilung des vorgeschossenen Kapitals, respektive auf
Zuschuß von neuen Kapitalportionen. Dies aber ist es gerade, was
wir in diesem Abschnitt zu betrachten hatten.