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Zweiter Abschnitt
verringerten. überschüssigen Produktionsvorrat auf Seite des Fabri-
kanten der vergrößerte Warenvorrat auf Seite des Baumwollhändlers.
Dieselbe Baumwolle liegt ebenso viel länger auf seinem Lager als
Ware, als sie kürzer auf dem Lager des Fabrikanten als Produktions-
vorrat liegt..

Bisher nahmen wir an, die Verkürzung der Umlaufszeit im Ge-
schäft X rühre daher, daß X seine Ware rascher verkauft oder bezahlt
erhält, respektive bei Kredit der Zahlungstermin verkürzt wird.
Diese Verkürzung ist also abgeleitet aus einer Verkürzung des Ver-
kaufs der Ware, der Verwandlung von Warenkapital in Geldkapital,
W’— G, der ersten Phase des Zirkulationsprozesses. Sie könnte auch
entspringen aus der zweiten Phase G—W und daher aus gleich-
zeitiger Aenderung, sei es in der Arbeitsperiode, sei es in der Umlaufs-
zeit der Kapitale Y, Z etc., die dem Kapitalisten X. die Produktions-
elemente seines flüssigen Kapitals liefern.

Zum Beispiel, wenn Baumwolle, Kohle ete. bei dem alten Trans-
port 3 Wochen auf Reisen sind von ihrem Produktions- oder Stapel-
platz bis zum Sitz der Produktionsstätte des Kapitalisten X, so muß
das Minimum des Produktionsvorrats von X bis zur Ankunft neuer
Vorräte wenigstens für 3 Wochen reichen. Solange Baumwolle und
Kohle sich auf Reisen befinden, können sie nicht als Produktions-
mittel dienen, Sie bilden jetzt vielmehr einen Arbeitsgegenstand der
Transportindustrie und des darin beschäftigten Kapitals und in

seiner Zirkulation befindliches Warenkapital für. den Kohlenprodu-
zenten oder den Baumwollenverkäufer. Bei verbessertem Transport
reduziere sich die Reise auf 2 Wochen. So kann der Produktions-
vorrat aus einem dreiwöchentlichen sich in einen zweiwöchentlichen
verwandeln, Damit wird das hierfür vorgeschossene Zuschußkapital
von 80 Pfd. Sterl. freigesetzt und. ebenso das von 20 Pfd. Sterl. für
Arbeitslohn, weil das umgeschlagene Kapital von 600 Pfd. Sterl. eine
Woche früher zurückfließt.

Anderseits, wenn zum Beispiel die Arbeitsperiode des Kapitals,
das den Rohstoff liefert, sich verkürzt (wovon Beispiele in den vorigen
Kapiteln gegeben), also auch die Möglichkeit, den Rohstoff zu er-
neuern, kann der produktive Vorraf$ sich vermindern, der Zeitraum
von einer Erneuerungsperiode bis zur andern sich verkürzen.

Wenn umgekehrt die Umlaufszeit und daher die Umschlags-
periode sich verlängert, so ist Vorschuß von zuschüssigem Kapital
nötig. Aus der Tasche des Kapitalisten selbst, wenn er zuschüssiges
Kapital besitzt. ‚Dies wird dann aber in irgendeiner Form angelegt
sein, als Teil des Geldmarkts; um es disponibel zu machen, muß es
aus der alten Form losgeschält, zum Beispiel Aktien verkauft, De-
positen entzogen werden, so daß auch hier indirekte Wirkung auf den
Geldmarkt eintritt. Oder er muß es aufnehmen. Was den für Arbeits-
lohn nötigen Teil des zuschüssigen Kapitals betrifft, so ist er unter
normalen Umständen stets als Geldkapital Vorzuschießen, und hier-
für übt der Kapitalist X seinen Anteil direkten Drucks auf den Geld-