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Zweiter Abschnitt
Die Umstände, welche das Verhältnis zwischen dem vorge-

schossenen und angewandten variablen Kapital differenzieren, wirken
auf die Produktion von Mehrwert — bei gegebener Rate des Mehr-
werts — nur insofern und nur dadurch ein, daß sie das Quantum
variablen Kapitals differenzieren, welches in einer bestimmten
Zeitperiode, zum Beispiel in 1 Woche, 5 Wochen efc., wirklich
angewandt werden kann Das vorgeschossene variable Kapital
fungiert nur als variables Kapital, soweit wie und während der
Zeit, worin es wirklich angewandt wird, nicht während der Zeit,
worin es vorrätig vorgeschossen bleibt, ohne angewandt zu werden.
Alle Umstände aber, welche das Verhäl tnis zwischen vorgeschossenem
und angewandtem variablem Kapital differenzieren, fassen sich
zusammen in der Differenz der Umschlagsperioden (bestimmt
durch Differenz, sei es der Arbeitsperiode, sei es der Zirkulations-
periode, sei es beider). Das Gesetz der Mehrwertsproduktion ist,
daß bei gleicher Rate des Mehrwerts gleiche Massen von fun-
gierendem variablem Kapital gleiche Massen Mehrwert erzeugen.
Werden also von den Kapitalen A und B in gleichen Zeit-
abschnitten bei gleicher Mehrwertsrate gleiche Massen variables
Kapital angewandt, so müssen gie in denselben Zeiträumen gleiche
Massen Mehrwert erzeugen, wie verschieden immer das Verhältnis
dieses in bestimmtem Zeitraum angewandten variablen Kapitals
zu dem während desselben Zeitraums vorgeschossenen variablen
Kapital sei, wie verschieden daher auch das Verhältnis der erzeugten
Mehrwertmassen nicht zu dem angewandten, sondern zu dem über-
haupt vorgeschossenen variablen Kapital sei. Die Verschiedenheit
dieses Verhältnisses, statt den über die Produktion des Mehrwerts
entwickelten Gesetzen zu widersprechen, bestätigt sie vielmehr
und ist eine unerläßliche Konsequenz derselben.
Betrachten wir den ersten fünfwöchentlichen Produktionsab-
schnitt von Kapital B. Ende der 5. Woche sind 500 Pfd. Sterl.
angewandt und aufgezehrt. Das Wertprodukt ist gleich 1000 Pfd.
Sterl., also 2. — 100%. Ganz wie bei Kapital A. Daß bei
Kapital A der Mehrwert nebst dem vorgeschossenen Kapital
realisiert ist, bei B nicht, geht uns hier noch nichts an, wo es
sich nur noch um die Produktion des Mehrwerts und um sein
Verhältnis zu dem während seiner Produktion vorgeschossenen
variablen Kapital handelt. Berechnen wir dagegen das Verhältnis
des Mehrwerts in B nicht zu dem während seiner Produktion an-
gewandten und daher aufgezehrten Teil des vorgeschossenen
Kapitals von 5000 Pfd. Sterl., sondern zu diesem vorgeschossenen
Gesamtkapital selbst, so erhalten wir 000 = 4 = 10%. Alto
für Kapital B 10 % und für Kapital A 100 %; das heißt zehnmal
mehr. Würde hier gesagt: Diese Differenz in der Rate des Mehr-
werts für gleich große Kapitale, die ein gleiches Quantum Arbeit
in Bewegung gesetzt haben, und zwar Arbeit, die sich zu gleichen