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Zweiter Abschnitt
Aber es wirkt als Kapital in anderer Hand. Es ist klar, daß mit der
häufigeren Realisation des Mehrwerts und der steigenden Stufen-
leiter, worauf er produziert wird, die Proportion wächst, worin neues
Geldkapital oder Geld als Kapital auf den Geldmarkt geworfen und
von hier aus wenigstens großenteils wieder für erweiterte Produk-
tion. absorbiert wird.
Die einfachste Form, worin sich dies zuschüssige latente Geld-
kapital darstellen kann, ist die des Schatzes. Es ist möglich, daß
dieser Schatz zuschüssiges Gold oder Silber ist, erhalten direkt. oder
indirekt im Austausch mit den edle Metalle produzierenden Ländern.
Und nur in dieser Weise wächst der Geldschatz innerhalb eines
Landes absolut. Es ist anderseits möglich — und dies ist die Mehrzahl
der Fälle —, daß dieser Schatz nichts anderes ist als der inländischen
Zirkulation entzogenes Geld, welches die Form des Schatzes in der Hand
einzelner Kapitalisten angenommen hat. Es ist ferner möglich, daß
dies latente Geldkapital bloß in Wertzeichen besteht — wir sehen
hier noch vom Kreditgeld ab — oder auch in bloßen durch legale
"gesetzlich anerkannte] Dokumente konstatierten Ansprüchen (Rechts-
titeln) der Kapitalisten auf dritte Personen. In allen diesen Fällen,
welches immer die. Daseinsform dieses zuschüssigen Geldkapitals,
repräsentiert es, soweit es Kapital in spe [zukünftiges Kapital] ist,
durchaus nichts als zuschüssige und. in Reserve gehaltene Rechts-
titel von Kapitalisten auf zukünftige zuschüssige jährliche Produktion
der Gesellschaft.
„Die Masse des wirklich akkumulierten Reichtums, nach seiner
Größe betrachtet, ... ist so durchaus, unbedeutend im Vergleich
mit den Produktivkräften der Gesellschaft, der er angehört, was
auch ihre Zivilisationsstufe sei, oder auch nur im Vergleich zu der
wirklichen Konsumtion dieser selben Gesellschaft während« nur
weniger Jahre — so unbedeutend, daß die Hauptaufmerksamkeit der
Gesetzgeber und der politischen Oekonomen gerichtet sein sollte
auf die „Produktivkräfte‘“ und ihre künftige freie Entwicklung, nicht
aber, wie bisher, auf den bloßen akkumulierten Reichtum, der das
Auge frappiert. Der bei weitem größte Teil des sogenannten akku-
mulierten Reichtums ist nur nominell und besteht nicht aus wirk-
lichen Gegenständen, Schiffen, Häusern, Baumwollenwaren, Land-
meliorationen, sondern aus bloßen Rechtstiteln, Ansprüchen auf die
künftigen jährlichen produktiven Kräfte der Gesellschaft, Rechts-
titeln, erzeugt und verewigt durch die Auskunftsmittel oder Institu-
tionen der Unsicherheit. .. Der Gebrauch solcher Artikel (Akkumu-
lationen physischer Dinge. oder wirklicher Reichtum) als bloßes
Mittel, ihren Besitzern den Reichtum anzueignen, den die zukünf-
tigen Produktivkräfte der Gesellschaft erst schaffen sollen, dieser Ge-
brauch würde ihnen durch die Naturgesetze der Verteilung ohne An-
wendung von Gewalt allmählich entzogen werden; unterstützt durch
SeNOSseNSChaftliche Arbeit (co-operative labour) würde er ihnen in
wenigen Jahren entzogen werden.‘ (William Thompson: „An In-