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Zweiter Abschnitt
Geldes ist stets gleich der Summe des als Schatz und als umlaufendes
Geld vorhandenen Geldes. Diese Geldmasse (Masse edlen Metalls)
ist ein nach und nach akkumulierter Schatz der Gesellschaft. Soweit
ein Teil dieses Schatzes sich durch Verschleiß verzehrt, muß er jähr-
lich wie jedes andere Produkt neu ersetzt werden. Dies geschieht
in der Wirklichkeit durch direkten oder indirekten Austausch eines
Teils des jährlichen Landesprodukts mit dem Produkt der Gold und
Silber produzierenden Länder. Dieser internationale Charakter der
Transaktion verhüllt indes ihren einfachen Verlauf. Um das Problem
daher auf seinen einfachsten und durchsichtigsten Ausdruck zu redu-
zieren, muß vorausgesetzt werden, daß Gold- und Silberproduktion
im Lande selbst stattfindet, also Gold- und Siüberproduktion einen
Teil der gesellschaftlichen Gesamtproduktion innerhalb jedes Landes
bildet.

Abgesehen von dem für Luxusartikel produzierten Gold oder
Silber muß das Minimum ihrer jährlichen Produktion gleich sein dem
durch die jährliche Geldzirkulation bewirkten Verschleiß der Geld-
metalle. Ferner: Wächst die Wertsumme der jährlich produzierten
und zirkulierten Warenmasse, so muß auch die jährliche Gold- und
3ilberproduktion wachsen, soweit die gewachsene Wertsumme der
zirkulierenden Waren und die für ihre Zirkulation (und entsprechende
Schatzbildung) erforderliche Geldmasse nicht kompensiert [ausge-
glichen] wird durch größere Geschwindigkeit des Geldumlaufs und
durch umfangreichere Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, das heißt
durch größere gegenseitige Saldierung der Käufe und Verkäufe ohne
Dazwischenkunft von wirklichem Geld.

Ein Teil der gesellschaftlichen Arbeitskraft und ein Teil der ge-
sellschaftlichen Produktionsmittel muß also in der Produktion von
Gold und Silber jährlich verausgabt werden.

Die Kaäpitalisten, welche die Gold- und Silberproduktion betreiben
und — wie hier bei Voraussetzung einfacher Reproduktion ange-
nommen. — nur betreiben innerhalb der Schranken des jährlichen
Durchschnittsverschleißes und des dadurch verursachten jährlichen
Durchschnittskonsums von Gold und Silber, werfen ihren Mehrwert,
den sie nach der Unterstellung jährlich konsumieren, ohne etwas da-
von zu kapitalisieren, direkt in die Zirkulation in der Geldform, die
für sie die Naturalform, nicht wie in den andern Produktionszweigen
lie verwandelte Form des Produkts ist.

Ferner: was den Arbeitslohn betrifff — die Geldform, worin das
variable Kapital vorgeschossen. wird —, so wird er hier ebenfalls er-
setzt nicht durch Verkauf des Produkts, seine Verwandlung in Geld,
sondern durch ein Produkt, dessen Naturalform von vornherein die
Geldform ist.

Endlich findet dies auch mit dem Teil des Edelmetall-Produkts
statt, der gleich dem Wert des periodisch aufgezehrten konstanten
Kapitals’ist, sowohl des konstanten zirkulierenden wie des während
des Jahres verzehrten konstanten fixen Kapitals. ©