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Kostenpreis der Ware steigt für den einzelnen Kapitalisten, aber ihr
gesellschaftlicher Produktionspreis bleibt unverändert. e Was ver-
ändert wird, ist das Verhältnis, worin, abgesehen vom konstanten Wert-
teil, der Produktionspreis der Waren sich in Arbeitslohn und Profit teilt.
Aber, sagt man, größere Auslage von variablem Geldkapital (der
Wert des Geldes ist natürlich als gleichbleibend vorausgesetzt) heißt
soviel als größere Masse von Geldmitteln in der Hand der Arbeiter.
Hieraus folgt größere Nachfrage nach Waren von seiten der Arbeiter.
Weitere Folge ist Steigen im Preis der Waren. — Oder man sagt:
Steigt der Arbeitslohn, so erhöhen die Kapitalisten die Preise ihrer
Ware. — In beiden Fällen verursacht das allgemeine Steigen des
Arbeitslohnes Steigen der Warenpreise, Daher muß eine größere
Geldmasse nötig sein, um die Waren zu zirkulieren, ob man das
Steigen der Preise nun in der einen oder andern Weise erklärt.
Antwort auf die erste Fassung: Infolge steigenden Arbeitslohnes
wird namentlich die Nachfrage der Arbeiter nach notwendigen Le-
bensmitteln wachsen. In einem geringeren Grad wird ihre Nach-
lrage nach Luxusartikeln zunehmen oder sich Nachfrage einstellen
für Artikel, die früher nicht in den Bereich ihrer Konsumtion fielen.
Die plötzliche und auf größerer Stufenleiter gesteigerte Nachfrage
nach notwendigen Lebensmitteln wird unbedingt momentan ihren
Preis steigern. Folge davon: Ein größerer Teil des gesellschaftlichen
Kapitals wird in Produktion von notwendigen Lebensmitteln, ein
geringerer in der Produktion von Luxusmitteln verwandt, da letztere
im Preise fallen wegen des verminderten Mehrwerts und daher der
verminderten Nachfrage der Kapitalisten für dieselben. Soweit die
Arbeiter dagegen selbst Luxusmittel kaufen, wirkt die Erhöhung
ihres Lohnes — innerhalb dieses Umfanges — nicht auf Steigerung
des Preises von notwendigen Lebensmitteln, sondern deplaciert [er-
setzt] nur die Käufer von Luxuswaren. Mehr Luxuswaren als bisher
gehen ein in den Konsum der Arbeiter und verhältnismäßig weniger
in den Konsum der Kapitalisten. VoilA tout [Das ist alles]. Nach
einigen Oszillationen | Schwankungen] zirkuliert eine Warenmasse

Zweiter Abschnitt

#6 Der Kostenpreis einer Ware setzt sich zusammen aus der bei ihrer
Herstellung gemachten Aufwendung an konstantem (vernutztem) und varia-
blem Kapital. Der Produktionspreis wird gewonnen, wenn man zu dem
Kostenpreis noch die durchschnittliche Profitrate für das vorgeschossene
Kapital hinzuschlägt. Davon handelt ausführlich das Buch III des „Kapital“.

Zu bemerken ist, daß Marx hier vom „Kostenpreis‘“ spricht, während er
in Buch III den Ausdruck „Kostpreis‘“ gebraucht, der eine englische, nicht
deutsche Form darstellt. Der Engländer sagt cost price für Kostenpreis.
Ich hielte es für angezeigt, den letzteren Ausdruck statt des anglisierten
zu gebrauchen, ebenso wie etwa Mehrwert an Stelle von Surpluswert. Bei
der Herausgabe der „Theorien über den Mehrwert‘ bin ich bereits dement-
sprechend verfahren. Indessen ist der Ausdruck „Kostpreis‘“ in der marxi-
stischen Literatur schon zu sehr eingebürgert, als daß ich ihn im „Kapital“
Auszumerzen wagte. K.