Siebzehntes Kapitel

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vom selben Wert wie vorher. — Was die momentanen Oszillationen
betrifft, so werden sie kein anderes Resultat haben, als unbeschäftigtes
Geldkapital in die inländische Zirkulation zu werfen, das bisher in
speknlativen Unternehmungen an der Börse oder im Auslande Be-
schäftigung suchte.

Antwort auf die zweite Fassung: Wenn es in der Hand der kapi-
talistischen Produzenten stände, beliebig die Preise ihrer Waren zu
erhöhen, so könnten und würden sie das tun auch ohne Steigen des
Arbeitslohnes. Der Arbeitslohn würde nie steigen bei sinkenden Waren-
preisen. Die Kapitalistenklasse würde sich nie den Trades” Unions
[Gewerkschaften] widersetzen, da sie stets und unter allen Umständen
tun könnte, was sie jetzt ausnahmsweise unter bestimmten, besonderen,
sozusagen lokalen Umständen wirklich tut — nämlich jede Erhöhung
des Arbeitslohnes benutzen, um die Warenpreise in viel höherem Grad
zu erhöhen, also größeren Profit einzustecken.

Die Behauptung, daß die Kapitalisten die Preise der Luxus-
mittel erhöhen können, weil die Nachfrage danach abnimmt (infolge
der verminderten Nachfrage der Kapitalisten, deren Kaufmittel dafür
abgenommen haben), wäre eine ganz originelle Anwendung des Ge-
setzes von Nachfrage und Angebot. Soweit nicht bloß Deplacement
der Käufer dafür eintritt, Arbeiter statt Kapitalisten — und soweit
dies Deplacement stattfindet, wirkt die Nachfrage der Arbeiter nicht
auf Preissteigerung der notwendigen Lebensmittel; denn den Teil
des Lohnzuschusses, den die Arbeiter für Luxusmittel verausgaben,
können sie nicht für notwendige Lebensmittel verausgaben —,
fallen die Preise der Luxusmittel infolge der verminderten Nachfrage.
Infolgedessen wird Kapital aus ihrer Produktion zurückgezogen, bis
ihre Zufuhr auf das Maß reduziert ist, das ihrer veränderten Rolle
im gesellschaftlichen Produktionsprozeß entspricht. Mit dieser ver-
ringerten Produktion steigen sie bei sonst unverändertem Wert
wieder auf ihre normalen Preise. Solange diese Kontraktion oder
dieser Ausgleichungsprozeß stattfindet, wird ebenso beständig bei
steigenden Preisen der Lebensmittel der Produktion dieser letzteren
ebensoviel Kapital zugeführt, als dem andern Zweig der Produktion
entzogen wird, bis die Nachfrage gesättigt ist. Dann tritt wieder
Gleichgewicht ein, und das Ende des ganzen Prozesses ist, daß das
gesellschaftliche Kapital und daher auch das Geldkapital zwischen
der Produktion von notwendigen Lebensmitteln und der von Luxus-
mitteln in veränderter Proportion geteilt ist.

Der ganze Einwurf ist ein Schreckschuß der Kapitalisten und
ihrer ökonomischen Sykophanten [Schmeichler].31

Die Tatsachen, die den Vorwand zu diesem Schreckschuß liefern,
sind. dreierlei Art. .

1. Es ist ein allgemeines Gesetz der Geldzirkulation, daß, wenn die
Preissumme der zirkulierenden Waren steigt — ob diese Vermehrung
3s£ Näheres über das Wort findet man in Buch I, V.S.XLIII, Note 3. K.
Das Kapital. 0.