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Zweiter Abschnitt
genden als sie bedingenden Reservefonds von Münze, ‘deren Bildung,
Verteilung, Auflösung ‚und Wiederbildung stets wechselt, deren Da-
sein beständig verschwindet, deren Verschwinden beständig da ist.
A. Smith hat diese unaufhörliche Verwandlung der Münze in Geld
und des Geldes in Münze so ausgedrückt, daß jeder Warenbesitzer
neben ‘der ‘besonderen Ware, die er verkauft, eine gewisse, Summe
der allgemeinen Ware, . womit er kauft, stets vorrätig .haben müsse.
Wir sahen, daß in der Zirkulation W — G —W das zweite Glied
G — W sich beständig in eine Reihe Käufe zersplittert, die sich nicht
auf ‚einmal, sondern sukzessive.in der Zeit vollziehen, so daß. eine
Portion von G als Münze umläuft, während die andere als Geld ruht.
Das Geld ist hier in der Tat nur suspendierte Münze, und. die einzelnen
Bestandteile der umlaufenden Münzmasse erscheinen stets wechselnd
bald in der einen, bald in der andern Form. Diese erste Verwandlung
des  Zirkulationsmittels in Geld stellt daher ein nur technisches Mo-
ment des Geldumlaufs selbst dar.“ (Karl Marz: „Zur Kritik der Poli-
tischen Oekonomie, 1859“, S.105,106 [10. Auflage, S. 123]. — „Münze*‘
im Gegensatz zu Geld wird hier gebraucht zur Bezeichnung des Geldes
in seiner Funktion als bloßes Zirkulationsmittel im Gegensatz. zu
seinen. übrigen Funktionen.) . j
Soweit alle diese Mittel nicht hinreichen, muß zuschüssige Gold-
produktion stattfinden, oder was auf dasselbe herauskommt, ein Teil
des zuschüssigen. Produkts wird gegen Gold — das Produkt der Län:
der der Edelmetallproduktion. — direkt oder indirekt ausgetauscht.
Die ganze Summe der Arbeitskraft und der gesellschaftlichen
Produktionsmittel, die in der jährlichen Produktion von Gold und
Silber als Instrumenten der Zirkulation verausgabt. wird, bildet einen
schweren Posten der faux frais der kapitalistischen, überhaupt der
auf Warenproduktion gegründeten Produktionsweise. Sie entzieht
der gesellschaftlichen Ausnutzung eine. entsprechende Summe mög-
licher zuschüssiger Mittel der Produktion und Konsumtion,. das heißt
des wirklichen Reichtums. ‚Soweit bei gleichbleibender gegebener
Stufenleiter der Produktion oder bei gegebenem: Grad ihrer Aus-
dehnung: die Kosten, dieser teuren Zirkulationsmaschinerie vermin.
dert werden, soweit wird dadurch die Produktivkraft der gesellschaft-
lichen Arbeit gesteigert. Soweit also die mit dem Kreditwesen ‚sich
entwickelnden Aushilfsmittel diese Wirkung haben, vermehren sie
direkt den. kapitalistischen Reichtum, sei es, daß ein großer Teil des
gesellschaftlichen Produktions- und Arbeitsprozesses dadurch. ohne
alle Intervention [Vermittlung] .von wirklichem Geld vollzogen, . sei
98, daß die Funktionsfähigkeit der wirklich fungierenden.. Geldmasse
gesteigert wird.

Es erledigt sich damit auch die abgeschmackte Frage, ob die
kapitalistische Produktion in ihrem jetzigen Umfang ohne das Kredit-
wesen (selbst nur von diesem Standpunkt betrachtet) möglich wäre,
das heißt mit bloß metallischer Zirkulation. Es ist dies offenbar nicht der
Fall. :: Sie hätte vielmehr Schranken gefunden an dem Umfang der