Achtzehntes Kapitel

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Es ist. nun der Zirkulationsprozeß (der in seiner Gesamtheit
Form des Reproduktionsprozesses) der individuellen Kapitale als
Bestandteile des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, also der Zirku-
\ationsprozeß dieses gesellschaftlichen Gesamtkampitals zu betrachten.

N. Die Rolle des Geldkapitals.

(Obgleich das Folgende erst in den späteren Teil dieses Ab-
schnitts gehört, so wollen wir es gleich untersuchen, nämlich: das
Geldkapital als Bestandteil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals be-
trachtet.) *

Bei Betrachtung des Umschlags des individuellen Kapitals hat
sich das Geldkapital von zwei Seiten gezeigt.

Erstens: Es bildet die Form, worin jedes individuelle Kapital
auf die Bühne tritt, seinen Prozeß als Kapital eröffnet. Es erscheint
daher als primus motor [erster Antrieb], anstoßgebend dem ganzen
Prozeß.

Zweitens: Je nach der verschiedenen Länge der Umschlags-
periode und dem verschiedenen Verhältnis ihrer. beiden Bestandteile
— Arbeitsperiode und Zirkulationsperiode — ist der Bestandteil des
vorgeschossenen Kapitalwerts, der beständig in Geldform vorge-
schossen und erneuert werden muß, verschieden im Verhältnis zu dem
produktiven Kapital, das er in Bewegung setzt, das heißt im Verhältnis
zur kontinuierlichen Produktionsleiter, Welches aber immer dies Ver-
hältnis sei, unter allen Umständen ist der Teil des prozessierenden
Kapitalwerts, der beständig als produktives Kapital fungieren kann,
beschränkt durch den Teil des vorgeschossenen Kapitalwerts, der
beständig neben dem produktiven Kapital in Geldform existieren
muß. Es handelt sich hier nur um den normalen Umschlag, einen
abstrakten Durchschnitt. Es ist dabei abgesehen von zuschüssigem
Geldkapital zur Ausgleichung von Zirkulationsstockungen. ;

Zum ersten Punkt. Die Warenproduktion unterstellt die
Warenzirkulation und die Warenzirkulation unterstellt die Darstel-
lung der Ware als Geld, die Geldzirkulation; die Verdoppelung der
Ware in Ware und Geld ist ein Gesetz der Darstellung des Produkts
als Ware. Ebenso unterstellt die kapitalistische Warenproduktion —
gesellschaftlich sowohl wie individuell betrachtet — das Kapital in
Geldform oder das Geldkapital als primus motor für jedes neu be-
ginnende Geschäft und als kontinuierlichen Motor, Das zirkulierende
Kapital speziell unterstellt das in kürzeren Zeiträumen beständig
wiederholte Auftreten des Geldkapitals als Motor. Der ganze vor-
geschossene Kapitalwert, das heißt alle Bestandteile des Kapitals, die
aus Waren bestehen, Arbeitskraft, Arbeitsmittel und Produktionsstoffe
müssen beständig mit Geld gekauft und wieder gekauft werden. Was
hier für das individuelle Kapital, gilt für das gesellschaftliche Kapital,
das nur in der Form vieler individueller Kapitale fungiert. Aber
wie schon im Buch I gezeigt, folgt daraus keineswegs, daß das