Neunzehntes Kapitel

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seinen Wert, ebensogut wie das der kostspieligsten Ar-
beiter. Die wichtigsten Operationen des Ackerbaues scheinen dar-
auf gerichtet, die Fruchtbarkeit der Natur nicht so sehr zu vermehren
— obgleich sie das auch tun -— als sie auf die Produktion der dem
Menschen nützlichsten Pflanzen hinzulenken. Ein mit Dornen und
Ranken überwachsenes Feld liefert oft genug eine ebenso große Menge
Pflanzenwuchs wie das bestbebaute Weinstück oder Kornfeld. :Be-
pflanzung und Kultur wirken oft mehr zur Regulierung als zur Be-
lebung der aktiven Fruchtbarkeit der Natur; und nachdem jene alle
ihre Arbeit erschöpft, bleibt für diese stets noch ein großes Stück
Werk zu tun. Die Arbeiter und das Arbeitsvieh (!), die im Ackerbau
beschäftigt werden, bewirken also nicht nur, wie die Arbeiter in den
Manufakturen, die Reproduktion eines Wertes, der gleich ist ihrer
eigenen Konsumtion und ?* dem sie beschäftigenden Kapital nebst
dem Profit des Kapitalisten, sondern. die eines weit größeren Wertes.
Ueber das Kapital des Pächters und all seinen Profit hinaus be-
wirken sie auch noch regelmäßig die Reproduktion der Rente des
Grundbesitzers. Die Rente? kann betrachtet werden als das Produkt
der Naturkräfte, deren Gebrauch der Grundbesitzer dem Pächter
leiht. Sie ist größer oder geringer, je nach dem angenommenen Höhe-
grad dieser Kräfte, in andern Worten, je nach der angenommenen
natürlichen oder künstlich bewirkten Fruchtbarkeit des Bodens. Sie
ist das Werk der Natur, welches übrigbleibt nach Abzug oder Ersatz
alles dessen, was als Menschenwerk betrachtet werden kann. Sie ist
selten weniger als ein Viertel und oft mehr als ein Drittel des Ge-
samtprodukts. Keine gleiche Menge produktiver Arbeit, angewandt
in der Manufaktur, kann je eine so große Reproduktion bewirken.
In der Manufaktur tut die Natur nichts, der Mensch alles; und
die Reproduktion muß immer proportionell sein der Stärke der Agen-
ten [hier so viel wie „Arbeitskräfte‘“], die sie durchführen. Daher setzt
das im Ackerbau angelegte Kapital nicht nur eine größere Menge
produktiver Arbeit in Bewegung als irgendwelches gleich große in der
Manufaktur angewandte Kapital, sondern es fügt auch, im Verhältnis
zu der von ihm beschäftigten Menge produktiver Arbeit, dem Jahres-
produkt des Bodens und der Arbeit eines Landes, dem wirklichen
Reichtum und Einkommen seiner Bewohner einen. weit größeren
Wert hinzu als jenes.“ (B. II, ch. 5, p. 242.)

A. Smith sagt B. II, ch. 1: „Der ganze Wert der Aussaat ist
ebenfalls im eigentlichen Sinn ein fixes Kapital.‘ Hier also Kapital
gleich Kapitalwert; er existiert in „fixer‘ Form. ;,Obgleich die Aus-
saat zwischen dem Acker und der Scheune hin und her geht, wechselt
sie doch nie den Eigentümer und zirkuliert daher nicht wirklich,
Der Pächter macht seinen Profit nicht durch ihren Verkauf, sondern.
durch ihren Zuwachs.‘ (p. 186.) Die Borniertheit liegt hier darin,
8m Bei Smith heißt es hier „or, oder“, nicht „und“. K.
87b Bei Smith: ‚Diese Rente, this rent“. K.