Neunzehntes Kapitel

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und Grundeigentümer, in Arbeitslohn, Profit und Bodenrente, muß
er doch auf einem Umwege ein viertes Element hereinschmuggeln,
nämlich das Element des Kapitals. .Dies geschieht durch die Dis-
tinktion zwischen Roh- und Reineinkommen: „Das Brutto-HEin-
kommen sämtlicher Einwohner des großen Landes begreift in sich das
gesamte Jahresprodukt ihres Bodens und ihrer Arbeit, das
Netto-Einkommen den Teil, der ihnen zur Verfügung bleibt nach
Abzug der Erhaltungskosten erstens ihres fixen und zweitens
ihres flüssigen Kapitals, oder den Teil, den sie, ohne ihr Kapital
anzugreifen, in ihren Konsumtionsvorrat stellen oder zu ihrem Unter-
halt, Komfort und Vergnügen verausgaben können. Ihr wirklicher
Reichtum steht ebenfalls im Verhältnis nicht zu ihrem Brutto-,
sondern. zu ihrem Netto-Einkommen.‘“ (Ibidem, p. 190.)
Wir bemerken hierzu:
L. A. Smith behandelt hier ausdrücklich nur die einfache Re-
produktion, nicht die auf erweiterter Stufenleiter oder die Akkumula-
tion; er spricht nur von den Ausgaben für Erhaltung (maintaining)
des fungierenden Kapitals. Die „Netto‘“-Revenue ist gleich dem
Teil des jährlichen Produkts, sei es der Gesellschaft, sei es des indivi-
duellen Kapitalisten, der in den „Konsumtionsfonds‘‘ eingehen kann,
aber der Umfang dieses Fonds darf nicht das fungierende Kapital
angreifen (encroach upon capital). Ein Wertteil des individuellen
wie des gesellschaftlichen Produkts löst sich also weder in Arbeits-
lohn noch in Profit®%®* oder Bodenrente auf, sondern in Kapital.

2. A. Smith flüchtet aus seiner eigenen Theorie vermittels
eines Wortspiels, der Unterscheidung zwischen gross und net revenue,
Roh- und Reineinkommen. Der individuelle Kapitalist wie die ganze
Kapitalistenklasse oder die sogenannte Nation nimmt ein an Stelle
des in der Produktion verbrauchten Kapitals ein Warenprodukt,
dessen Wert — darstellbar in proportionellen Teilen dieses Produkts
selbst — einerseits den aufgewandten Kapitalwert ersetzt, daher
Einkommen bildet und noch wörtlicher Revenue (revenu, Partizip von
revenir, wiederkommen), aber nota bene [wohlgemerkt] Kapital-
Revenue oder Kapitaleinnahme, anderseits Wertbestandteile, die „„ver-
teilt werden unter die verschiedenen Bewohner des Landes entweder
als Lohn ihrer Arbeit oder als Profit ihres Kapitals oder als Rente
ihres Grundbesitzes““ — was man im gewöhnlichen Leben unter
Einkommen versteht. Der Wert des ganzen Produkts, sei es für
den individuellen Kapitalisten, sei es für das ganze Land, bildet
danach Einkommen für irgend jemand, aber einerseits Kapital-
einkommen, anderseits von diesem verschiedene „Revenue‘. Was
also bei der Analyse des Wertes der Ware in seine Bestandteile ent-
fernt wird, wird durch eine Hintertür — die Zweideutigkeit des Wortes

88% In allen bisherigen Auflagen steht „Profit-“. — Trotz dieser Ueber-
einstimmung ist der Bindestrich zweifellos falsch. K.