Neunzehntes Kapitel

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Größen-) Bestimmung des vom Lohnarbeiter zugesetzten Mehr-
werts. Es ist Wert wie jeder andere Wertteil des Produkts, unter-
scheidet sich aber dadurch, daß der Arbeiter kein Aequivalent
dafür erhalten hat noch nachher erhält, dieser Wert vielmehr vom
Kapitalisten ohne Aequivalent angeeignet wird. Der Gesamtwert
der Ware ist bestimmt durch das Quantum Arbeit, das der Arbeiter
in ihrer Produktion verausgabt hat; ein Teil dieses Gesamtwerts
ist dadurch bestimmt, daß er gleich dem Wert des Arbeitslohnes ist,
also Aequivalent für denselben. Der zweite Teil, der Mehrwert,
ist daher notwendig ebenfalls bestimmt, nämlich gleich dem
Gesamtwert. des Produkts minus dem Wertteil desselben, der
Aequivalent des Arbeitslohnes ist, also gleich dem Ueberschuß
des in Herstellung der Ware geschaffenen Wertprodukts über den
darin enthaltenen Wertteil, der gleich dem Aequivalent für seinen
Arbeitslohn.

2. Was für die Ware, produziert in einem einzelnen industriellen
Geschäft durch jeden einzelnen Arbeiter, gilt vom Jahresprodukt
aller Geschäftszweige zusammen. Was von der Tagesarbeit eines
individuellen produktiven Arbeiters, gilt von der durch die ganze
produktive Arbeiterklasse flüssig gemachten Jahresarbeit. Sie
„fixiert“ (Smithscher Ausdruck) im Jahresprodukt einen Gesamt-
wert, bestimmt durch das Quantum der verausgabten Jahresarbeit,
und dieser Gesamtwert zerfällt in einen Teil, bestimmt durch das-
jenige Stück der Jahresarbeit, worin die Arbeiterklasse ein Aequi-
valent ihres Jahreslohnes schafft, in der Tat diesen Lohn selbst, und in
einen andern Teil, bestimmt durch die zusätzliche Jahresarbeit;
worin der Arbeiter einen Mehrwert für die Kapitalistenklasse
schafft. Das im Jahresprodukt enthaltene jährliche Wertprodukt
besteht also nur aus zwei Elementen, dem Aequivalent des von
der Arbeiterklasse erhaltenen Jahreslohnes und dem jährlich für
die Kapitalistenklasse gelieferten Mehrwert. Der Jahreslohn bildet
aber die Revenue der Arbeiterklasse, die Jahressumme des Mehr-
werts die Revenue der Kapitalistenklasse; beide stellen also (und
dieser Gesichtspunkt ist richtig bei Darstellung der einfachen
Reproduktion) die relativen Anteile am jährlichen Konsumtions-
fonds dar und realisieren sich in ihm. Und so bleibt nirgends Platz
für den konstanten Kapitalwert, für die Reproduktion des in Form
von Produktionsmitteln fungierenden Kapitals. Daß aber alle
Teile des Warenwerts, die als Revenue fungieren, zusammenfallen
mit dem für den gesellschaftlichen Konsumtionsfonds bestimmten
jährlichen Arbeitsprodukt, sagt A. Smith ausdrücklich in der Ein-
leitung seines Werkes: „Worin die Revenue des Volkes überhaupt
bestanden hat, oder was die Natur des Fonds war, welcher, ., ihre
jährliche Konsumtion geliefert hat (supplied), dies zu erklären ist
der Zweck dieser vier ersten Bücher,“ (p. 12.) Und gleich im ersten
Satz der Einleitung heißt es: „Die jährliche Arbeit jeder Nation
ist der Funds, welcher sie ursprünglich versieht mit all den Lebens-

Das Kapital. 17.