Neunzehntes Kapitel

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daß die vom Kapitalisten gekaufte Arbeitskraft für ihn Kapital-
wert reproduziert, und daß anderseits das als Kaufpreis der Arbeits-
kraft gelöste Geld für den Arbeiter Revenue bildet. Die Wert-
größe des Handelsartikels des Arbeiters, seiner Arbeitskraft, wird
weder dadurch affiziert, daß sie „Revenue‘“ für ihn bildet, noch
dadurch, daß der Gebrauch seines Handelsartikels durch den Käufer
diesem Käufer Kapitalwert reproduziert.

Weil der Wert der Arbeitskraft — das heißt der adäquate
[angemessene] Verkaufspreis dieser Ware — durch die zu ihrer
Reproduktion nötige Arbeitsmenge bestimmt ist, diese Arbeitsmenge
selbst aber hier bestimmt ist durch die zur Produktion der nötigen
Lebensmittel des Arbeiters, also zur Erhaltung seines Lebens er-
heischte Arbeitsmenge, wird der Arbeitslohn zur Revenue, wovon
der Arbeiter zu leben hat.

Es ist total falsch, was A. Smith sagt (p. 223): „Der Teil des
Kapitals, der angelegt wird im Unterhalt produktiver Arbeit...
nachdem er ihm‘ (dem Kapitalisten) „in der Funktion eines
Kapitals gedient hat. .., bildet eine Revenue für sie‘‘ (die Arbeiter).
Das Geld, womit der Kapitalist die von ihm gekaufte Arbeitskraft
zahlt, „dient ihm in der Funktion eines Kapitals‘, soweit er dadurch
die Arbeitskraft den dinglichen Bestandteilen seines Kapitals ein-
verleibt und damit überhaupt sein Kapital erst in den Stand setzt,
als produktives Kapital zu fungieren. Unterscheiden wir: Die
Arbeitskraft ist Ware, nicht Kapital, in der Hand des Arbeiters,
und sie konstituiert für ihn eine Revenue, soweit er deren Verkauf
beständig wiederholen kann; sie fungiert als Kapital nach dem
Verkauf in der Hand des Kapitalisten, während des Produktions-
prozesses selbst. Was hier zweimal dient, ist die Arbeitskraft; als
Ware, die zu ihrem Wert verkauft wird, in der Hand des Arbeiters;
als Wert- und Gebrauchswert produzierende Kraft in der Hand
des Kapitalisten, der sie gekauft hat. Aber das Geld, was der Arbeiter
vom Kapitalisten erhält, erhält er erst, nachdem er ihm den Gebrauch
seiner Arbeitskraft gegeben hat, nachdem selbe bereits im Wert
des Arbeitsprodukts realisiert ist. Der Kapitalist hat diesen Wert
in seiner Hand, bevor er ihn zahlt. Es ist also nicht das Geld, das
zweimal fungiert: erst als Geldform des variablen Kapitals, dann
als Arbeitslohn. Sondern es ist die Arbeitskraft, die zweimal fungiert
hat: erst als Ware beim Verkauf der Arbeitskraft (das Geld wirkt
bei Stipulierung [Festsetzung] des zu zahlenden Lohnes bloß als
ideeles Wertmaß, wobei es noch gar nicht in der Hand des Kapi-
talisten zu sein braucht); zweitens im Produktionsprozeß, wo sie
als Kapital, das heißt als Gebrauchswert und Wert schaffendes
Element in der Hand des Kapitalisten fungiert. Sie hat bereits
in Warenform das dem Arbeiter zu zahlende Aequivalent geliefert,
bevor der Kapitalist es dem Arbeiter in Geldform zahlt. Der Arbeiter
schafft also selbst den Zahlungsfonds, aus dem ihn der Kapitalist
zahlt. Aber das ist nicht alles.